Accounting & Controlling

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Inhaltsverzeichnis

Einführung

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit den Begriffen Accounting und Controlling, beides Teilgebiete der Betriebswirtschaftslehre und an der Schnittstelle zwischen Soziologie und Betriebswirtschaftslehre zu verorten. Beide Bereiche werden im Folgenden wirtschaftswissenschaftlich erläutert und durch eine wirtschaftssoziologische Betrachtung kritisch hinterfragt. Dabei geht es um eine Untersuchung, ob und inwieweit Accounting und Controlling durch den Gebrauch von Zahlen soziale Tragweite besitzen, somit quasi eine Art "Soziokalkulation" darstellen, und ihnen das Maß an Legitimität zukommt, wie es gemeinhin angenommen wird. Schon bei der Recherche in soziologischen Lexika fällt auf, dass Accounting und Controlling in der Soziologie lange vernachlässigt wurden (so ist im "Wörterbuch der Soziologie", 3. Aufl. 1972, von Hartfiel/Hillmann, keiner der Begriffe enthalten) und bis heute werden (auch im aktuelleren "Wörterbuch der Soziologie, 2. Aufl. 2002, von Endruweit/Frommsdorff (Hrsg.), findet sich keiner der beiden Begriffe). Man kann sagen, dass "in den Sozialwissenschaften kaum systematisches Interesse daran [besteht], ob und inwiefern die massenhafte Mobilisierung von Zahlen, Messungen und Klakulationen die Aufrechterhaltung sozialer Ordnung beeinträchtigt, abstützt oder unterläuft." (Mennicken/Vollmer, 2007, S. 9). Eine Abgrenzung zwischen Accounting und Controlling kann anhand ihrer grundlegenden, betriebswirtschaftlich-geprägten Definition vorgenommen werden: Während Accounting im weitesten Sinne als Rechnungslegung beziehungsweise als Rechnungswesen die Erfassung, Überwachung und Informationssammlung der betrieblichen Geld- und Leistungsströme untersucht, stellt Controlling ein weit greifendes Steuerungs- und Koordinationskonzept dar, welches die Verantwortlichen im Betrieb bei der ergebnisorientierten Planung und Umsetzung der unternehmerischen Aktivität unterstützt.

Accounting

Begriff

Accounting ist die Dokumentation von Geld- und Leistungsströmen im Unternehmen, zum einen als "externes Rechnungswesen" (financial accounting) für externe Stellen wie Banken, Wirtschaftsprüfer oder Finanzamt, wie auch als "internes Rechnungswesen" (management accounting), das den Verantwortlichen im Unternehmen durch Messungen in Zahlen Informationen liefert, die für eine sinnvolle Steuerung und Planung der Unternehmensaktivitäten unerlässlich sind. Der Begriff des Accounting vom Englischen "to account". "To account" heißt "Rechenschaft ablegen", "to account for" bedeutet dabei soviel wie "Ansehen als" oder "Erklären für", "to account of" bedeutet "Rechnung tragen für", "to leave out of account" beziehungsweise "to take into account" heißt "außer Betracht lassen" bzw. "berücksichtigen" und das Substantiv "account" bedeutet "Rechnung", "Konto" und "Abschluß". "Accounting" schließlich wird im Deutschen als Rechnungswesen übersetzt. Diese einführenden Erklärungen (vgl. Menniken/Vollmer, Vorwort) machen bereits deutlich, dass Accounting positives Output wie Leistungen, Gewinne und Erfolge oder negative Outputs wie Scheitern, Organisationsversagen und Misserfolge den eingesetzten Inputs gegenüberstellt und damit neben einer Informationen über die Zusammenhänge eine Zurechnung der Outputs ermöglicht.

Instrumente des Accounting

Als Beispiele für ökonomische Kalkulation genannt seien nur die Accounting-Praktiken

  1. "Kosten-Nutzen-Analyse"
  2. "Balanced Scorecards"
  3. "Cash Flow Analysen"
  4. "Risikokalkulationen".
  5. "Renditeberechnung"
  6. "Plankostenrechnung"

Diese Instrumente entstammen zum Teil den Wirtschaftswissenschaften und den Ingenieurwissenschaften. Dennoch bedeutet die Ansammlung von Accounting-Praktiken, dass das Rechnungswesen nicht gleichzusetzen ist mit den Finanzwissenschaften oder den Wirtschaftswissenschaften (Miller, S. 21), sondern eine eigenständige Einheit bildet.

Bedeutung und soziologische Perspektive

Accounting ist damit heute nicht nur in Unternehmen sondern in der gesamten Ökonomie und Gesellschaft von Bedeutung. Aus der soziologischen Perspektive ist dabei besonders von Interesse, welche Auswirkungen der Einsatz von Instrumenten des Accounting damit im organisationalen, insitutionalen und nicht zuletzt sozialen Kontext hat. Dabei fällt auf, dass das Accounting in der Soziologie lange "in Vergessenheit geriet" (so Peter Miller, im Original "How and Why Sociology forgot Accounting", in Mennicken/Vollmer, S. 19, S. 22 und S. 38; zur Anlage der soziologischen Betrachtung von ökonomischer Kalkulation bereits bei Weber und der Wiederentdeckung in der Soziologie siehe Miller, S. 24 ff.). Miller erklärt dies mit einer Mischung aus kapitulierender Erfurcht der Soziologie vor den Wirtschaftswissenschaften und gleichzeitig der herablassenden Verachtung augenscheinlich schlichter Rechnungslegung (Miller, S. 19), die den anfänglich durchaus in der sich entwickelnden Soziologie existierenden Forschungsbereich pausieren ließ. Seitdem die ökologische Kalkulation in einer allgemeinen Tendenz hin zu einem Interesse der Soziologie an der Untersuchung von Praktiken (wieder) soziologisch untersucht wird, beschäftigt sich die Forschung mit Fragen der Auswirkungen auf die Wirtschafts- und Gesellschaftsorganisation sowie auf soziale und gesellschaftliche Zusammenhänge ganz generell. Dabei wurde deutlich, dass die Anwendung von Accounting-Prinzipien und damit der Zuwachs der Vielfalt an Formen des ökonomischen Rechnens das Entstehen bestimmter Formen des Managements sowie Machtstrukturen hervorruft und unser Leben beeinflusst. Kalkulation muss "als komplexe kollektive Praxis verstanden werden [...], die Akteure und Aktanten, Instrumente und Inskriptionen, miteinander verbindet und in Beziehung setzt" (Callon, nach Miller, S. 23).

Ursprünge der soziologischen Untersuchung von Accounting

Max Weber beschäftigte sich mit der Entwicklung des Rechnungswesens und betrachtete die ökonomische Kalkulation als wichtiges Element der Rationalisierung der Gesellschaft im Kapitalismus. Erst die Buchführung als kalkulatives Instrument ermögliche eine Erfassung und Organisation des für den Kapitalismus charakteristischen Profitstrebens. Damit erkannte bereits Weber die zentrale Rolle des Accountings für die sozialen und ökonomischen Verhältnisse und die damit verbundene soziologische Bedeutung des Themas. Heute wird Accounting daher auch nicht mehr als bloßer technischer Prozess verstanden, sondern im Zusammenspiel mit Auswirkungen auf Gruppen- und Organisationsstrukturen und menschlichem Verhalten betrachtet. Auch die Effekte des Accounting über einzelne Organisationen hinaus – von der Mikro- zur Makroebene - gerieten in den siebziger Jahren zunehmend in den Fokus wirtschaftssoziologischer Aufmerksamkeit: "There is now an urgent need for research which can provide a basis for seeing accounting as both a social and organizational phenomenon" (Hopwood, nach Miller, S. 28). So wurde neben dem technischen Prozess des Accounting und der Auswirkungen innerhalb von Organisationen untersucht, welche Auswirkungen in der Gesellschaft zu verzeichnen sind:

  1. Funktion des Accounting für die Herstellung organisationaler Sichtbarkeit
  2. Funktion des Accounting für die Erzeugung von Machtstrukturen
  3. Funktion des Accounting für bestimmte Muster der Managements.

Im Zuge dieser Entwicklung entwickelten sich drei Forschungsbereiche im nun weit gefächerten Forschungsgebiet "Accounting" in der Soziologie

  1. Institutionelle Umwelten des Accounting -> Verhältnis zwischen Organisation und Umwelt
  2. Politische Ökonomie des Accounting -> Accounting als parteiische, interessenbeeinflusste Praxis zur Erhaltung von Klassen und Strukturen
  3. Ethnographie des Accounting -> Untersuchung von den Situationen, in denen Akteure Accounting-Praktiken entwickeln

Heutiger Forschungsstand

Heute ist anerkannt, dass die Konventionen modernen Accountings als vermeintlich rationales Instrument von Organisationen zur Legitimitäts(ver)schaffung genutzt werden, allerdings hat auch erst das Accounting das Einbinden von rationalen Organisationskonzepten möglich gemacht. Accounting ermöglicht eine Definition von Organisationsänderungen und -zielen und übt daneben eine zeremonielle Legitimierungsfunktion (Miller, S. 30) einer Organisation vor den Organisationsmitgliedern und der Gesellschaft. So dient die inzwischen verbreitete Budgetierung auch dem öffentlichen Eindruck, ein seriöses Unternehmen darzustellen. Accounting kann auch als grundsätzliche Annahme der Unehrlichkeit betrachtet werden, die eine doppelte Buchführung und damit ein zeitintensives Rechnungswesen erst erforderlich mache (so Braverman, 1974, nach Miller, S. 31). Die Auswirkungen des Accounting auf die Gesellschaft über die Grenzen einzelner Organisationen hinaus sind heute ebenfalls anerkannt (Miller, S. 36 f.).


Controlling

Begriffsdefinition und bisheriger Forschungsstand

Der Begriff Controlling - im Englischen Sprachgebrauch auch treffend als "Management Accounting" bezeichnet - entstammt dem englischen „to control“, was sich mit „überwachen“, „kontrollieren“, „steuern“, „lenken“ und „planen“ übersetzen lässt. Am ehesten ist er mit „Koordination“ als eine Kombination von „Steuern“ und „Regeln“ zu übersetzen. Die Übersetzung mit dem Begriff Kontrolle hingegen greift zu kurz, da Kontrolle tendenziell vergangenheitsorientiert ist und im weitesten Sinne in Strafe mündet. Controlling hingegen ist zukunftsorientiert und resultiert in Hilfe und Leitung. Bis heute hat sich sowohl in der wissenschaftlichen Theorie wie auch in der betrieblichen Praxis jedoch keine eindeutige, einheitlich-abgegrenzte Auflistung der Aufgaben und Inhalte des Controlling entwickelt. Damit kommt dem "Controller" im Unternehmen betriebswirtschaftlich betrachtet im Idealfall eine gestaltend-begleitende Funktion beim Management-Prozess der Zielfindung und bei Planung und Steuerung der Unternehmensprozesse zuteil, wodurch er Mitverantwortung bei der Zielerreichung oder -verfehlung trägt. Im "Soziologischen Lexikon", 4. Aufl. 2000, von Reinhold/Lamnek/Recker ist Controlling ein "Begriff, der hauptsächlich im Bereich der Unternehmensführung auftritt. Controlling orientiert sich an Rentabilitätsgrundsätzen und untersucht Unternehmen daraufhin. Die vom Management vorgenommene Zielsetzung soll hinsichtlich der Zielerreichung positiv beeinflusst und gestaltet werden". Controlling kann damit auch als ein Accounting-ähnliches Instrument betrachtet werden (Menniken/Vollmer, S.11). Dieser Prozess kann in verschiedene Schritte unterteilt werden; Erstens werden im Prozess der Zielfindung Ziele herausgearbeitet und gesetzt, zweitens erfolgt eine Überwachung und Beurteilung der existierenden Strukturen und Prozesse anhand der im ersten Schritt gesetzten Ziele, drittens erfolgt bei Abweichungen eine Anpassung der Gegebenheiten an die gesetzten Ziele (vgl. Rössel, International Encyclopaedia of Economic Sociology, S. 109 ff.). Im Laufe der soziologischen Betrachtung des Controlling verlagerte sich der Schwerpunkt von einer Annahme der Selbst-Anpassung der Prozesse zu einer eher macht- und interessenbezogenen aktiven Anpassung anhand der Schablone der "gesetzten Ziele".

Entwicklung des Controlling

Wie der englische Begriff bereits nahe legt, liegt der Ursprung des Controlling in den USA. Selbstverständlich existierte schon immer in Unternehmen zu gewissen Teilen eine koordinierende Arbeitsweise, die wirklich effektive finanzielle Unternehmensführung entwickelte sich jedoch durch die zwingenden Bedingungen Wirtschaftskrise in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. 1931 wurde das „Controller’s Institute of America“ als Organisation für den Berufsstand des Controllers gegründet, welches 1962 in „Financial Executive Institute“ umbenannt wurde. Als Dachorganisation für die finanzielle Unternehmensführung deckt diese Organisation heute sowohl den Bereich von finanz- und liquiditätsorientierten Aufgaben ab – gemeinhin als „Treasureship“ oder „Treasuring“ bezeichnet – wie den Bereich der kosten-, erlös- und damit ergebnisorientierten Aufgaben ab. Dieser zweite Bereich ist der des Controllers.

Zentrale Aufgaben des Controlling

Die Unternehmensleitung hat die Aufgaben der Planung, der Kontrolle, der Organisation und der Personalführung. Zur Erfüllung dieser Kernelemente des betrieblichen Führungssystems ist sie auf entsprechende Informationen angewiesen.

Bild:Con_-_ManagerController_(Small).jpg

Die Abstimmung der einzelnen Bereiche ist idealtypische Aufgabe des Controlling. Unter Controlling versteht man damit aus wirtschaftswissenschaflicher Perspektive die Summe aller Maßnahmen, die dazu dienen, die Bereiche Planung, Kontrolle, Organisation und Personalführung so zu koordinieren, dass die Unternehmensziele erreicht werden. Im Idealfall unterstützt es als funktionsübergreifendes, koordinierendes Steuerungsinstrument das Management bei den unternehmerischen Entscheidungen. Einerseits hat damit der Controller die Erlaubnis, quasi ungefragt das Management zu beraten, beziehungsweise kommt ihm eine Bringschuld für Informationen zu, zum anderen muss darauf geachtet werden, dass Controlling nicht als alleine Kontrolle empfunden wird, sondern als Weg der Problemlösung. Idealiter geht systematisches Analysieren mit Kommunikation mit anderen Ressorts im Unternehmen und der Überprüfung der Realisation gesteckter Ziele einher. Dabei werden vom Controller Methoden aus dem Rechnungs- und Finanzwesen eingesetzt und die Unternehmensleitung durch Ziele geführt, quasi außerhalb des typischen Handelns von Führungskräften. Durch die steigende Bedeutung des Controlling für das Management eines Unternehmen wird die Trennungslinie zwischen "Controlling" und "Management" allerdings unscharf.

Bild:Con_-_ControllingFelder_(Small).jpg

Grafik nach Wöhe, Günter: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 20. Aufl., München 2000, S. 235, Abb. 58.

Controlling setzt auf unterschiedliche Zeithorizonte, die für ein Unternehmen von Bedeutung sind. Daher erfolgt eine Unterscheidung zwischen operativem und strategischem Controlling. Operatives Controlling deckt als kurzfristig wirkendes und wirksames Instrument zeitlich den operativen Geschäftsbetrieb ab, also die Unternehmenssteuerung innerhalb eines Geschäftsjahres. Demgegenüber zielt das strategische Controlling mit der langfristigen Überlebensstrategie des Unternehmens unter der Berücksichtung von sich verändernden wirtschaftlichen, technologischen und nicht zuletzt auch politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Damit betreibt es den Versuch, Probleme zu lösen, bevor sie entstanden sind.

Betriebswirtschaftliche Funktionen des Controlling

Die allgemeine Koordinationsfunktion des Controlling lässt sich dabei in einzelne Teilfunktionen unterteilen.

1. Anpassungs- und Innovationsfunktion

Die Anpassungs- und Innovationsfunktion übernimmt die Koordination der Unternehmensführung mit der Unternehmensumwelt in Form der Initiierung von Anpassungen und Innovationen und die damit zusammenhängenden Veränderungen im Führungssystem. Unter diese Funktion fällt auch die Entwicklung und Nutzung von Frühwarnsystemen, die Entwicklungen des Marktes erkennen und entsprechende Anpassungs- und Innovationsprozesse im Unternehmen auslösen sollen. Die Anpassung erfolgt als eine Reaktion auf bereits eingetretene Umstände, wohingegen die Innovation das vorausschauende Agieren beschreibt. So handelt es sich bei einer Umstellung von lösungsmittel- auf wasserbasierte Lacke in der Automobilherstellung um eine Reaktion auf das gestiegene Umweltbewusstsein, die Entwicklung neuer Technologien wie der Brennstoffzelle als Ersatz für fossile Energieträger stellt demgegenüber eine Innovation dar mit dem Hintergrund der Prognose von weiter steigendem Umweltbewusstsein und Preisanstiegen fossiler Energie.

2. Zielausrichtungsfunktion

Die Zielausrichtungsfunktion umschreibt die Ausrichtung der Controllingtätigkeiten auf die Unternehmensziele, denn durch eine koordinierte Zielausrichtung können Unternehmensziele effektiver erreicht werden als ohne entsprechende Abstimmung der Führungstätigkeit.

3. Service- und Unterstützungsfunktion

Die Service- und Unterstützungsfunktion schließlich stellt die Positionierung des Controllers als „Berater“ und „counselor“ als Hauptteil des Controlling heraus. Beratend tätig wird der Controller in Bezug auf die Instrumentenwahl und Informationsversorgung. Dies heißt, er rät zur Nutzung bestimmter Instrumente und klärt auf, welche Informationen für die Planung verfügbar sein müssen.

Zusammenwirkend dienen diese Teilfunktionen der Gesamtfunktion des Controlling, welche in der effektiven Umsetzung von Entscheidungen anhand definierter Ziele liegt. Damit trägt Controlling zu einer versachtlichten Machtausübung in Organisationen bei, da Prozesse stets einer zielbezogenen Diagnose unterworfen sind.

Bereiche

Controlling findet grob eingeteilt in zwei Bereichen statt, zum einen in der Koordination zwischen verschieden Führungssysteme und zum anderen in der Koordination innerhalb einzelner Führungssysteme.

Bild:Con_-_Koordination_(Small).jpg

Wirtschaftssoziologische Betrachtung und Bedeutung

Auch wenn schon immer in Unternehmen betriebliche Tätigkeiten koordiniert wurden, ist die Bedeutung des Controlling durch immer komplexere Unternehmensstrukturen und den erhöhten Wettbewerbsdruck der globalisierten Welt immer weiter gestiegen. So bestehen Unternehmen durch Fusionen und Übernahmen aus immer mehr immer größeren Einheiten, zunehmende Komplexität und Konkurrenzdruck führt zu erhöhtem Koordinationsbedarf und die Planung und Steuerung nimmt einen besonderen Stellenwert in der Unternehmensführung ein. Durch die nicht eindeutige Abgrenzung der Tätigkeiten des Controlling und der Definition des Begriffs, kommt es immer wieder zu Überschneidungen und ungeklärten Zuständigkeiten. Controlling umgibt sich als "Zahlenproduktion" mit einer gewissen Unangreifbarkeit, denn "Zahlen lügen nicht" (Messner/Scheytt/Becker, in Mennicken/Vollmer, S. 88). Damit führt der Glaube an die Objektivität von Zahlen statt zu einer reinen Zunahme rationaler Referenzziehung immer stärker zu einer Produktion von Zahlen um der Zahlenproduktion selbst willen. Controlling wird zu mehr als einer Abbildung organisationaler Sachverhalte, es besteht die Gefahr, dass es das klassische Management von einer Kunst zu einer Technik des Berechnens und Kalkulierens verändert. Controlling stellt daher nicht nur ein reines Organisationsinstrument mittels "Messen, Rechnen und Kalkulieren" dar. Vielmehr verändert Controlling die Bedeutung des klassischen Managements und die soziale Ordnung. Besonders deutlich macht dies die englische Bezeichnung für das, was im deutschen Sprachraum als "Controlling" bezeichnet wird, als "Management Accounting". Management wird, sobald Controlling-Praktiken eingesetzt werden, vom Controlling mitbestimmt, da eine Konfrontation mit einer vom Controller gestalteten Wirklichkeit erfolgt. Dadurch wird die eigentliche Entscheidungsunterstützung zu einem elementaren Teil der Management-Entscheidung (Messner e.a., S. 91). Die Schaffung der abstrakten Controlling-Umwelt kann bei ausreichender Detaillierung zu klar determinierten Managemententscheidungen führen. Fraglich ist damit, ob das Management noch entscheidet, oder nicht vielmehr schon das Controlling vorverlagert entscheidet? Dies ist nur dann zu verneinen, wenn integraler Bestandteil des Management ist, in gewisser Weise unberechnend, losgelöst von Controlling-Ergebnissen zu entscheiden, also das "Brechen der Regel [...] ein konstitutives Element des Managements" (Messner u.a., S. 100) ist. Ob und inwieweit das Management in der Lage ist, sich vom eigens verordneten Controlling zu lösen, entscheidet damit, ob eine Entscheidung im Controlling getroffen und vom Management nur noch automatengleich umgesetzt wird oder ob das Management selbst entscheidet.

Fazit

Accounting und Controlling weisen eine hohe Relevanz in der Wirtschaftssoziologie auf. Zahlen und Statistiken scheinen in einer globalen Welt durch zunehmende Orientierung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ordnung an die Neuschöpfung und Wiederverwendung von Zahlen zu der oft angestrebten weltweiten Vergleichbarkeit zu führen. Es ergibt sich durch das Aufstellen von Quasi-Standards in der Weltwirtschaft zwangsläufig eine Machtposition durch Zahlenproduktion für private Akteure des Accounting und Controlling, die diese Instrumente beherrschen und einsetzen. Doch wie bei Standards im Allgemeinen muss auch die Funktionalität globaler Accounting- und Controlling-Standards kritisch hinterfragt werden und die sich daraus ergebende Vergleichbarkeit. Das Potential globaler Vergleichbarkeit können nur Standards aufweisen, welche so detailliert ausgestaltet sind, dass sie diversifizierenden Resultaten jeglicher Art gerecht werden. Die Erreichung dieses Ideals würde jedoch unweigerlich zu einer steigenden Komplexität der Anwendbarkeit im regionalen Kontext führen. Darüber hinaus erforderte dieses Ideal ein Zuwachs der Komplexität der Instrumente in einem wohl utopischen Maß und kann daher als unrealistisch betrachtet werden. Accounting und Controlling wird daher eine globale Machtposition in der Weltgesellschaft nur ausüben können, wenn dabei toleriert wird, dass es keine vollumfängliche Vergleichbarkeit und keine garantierte Gültigkeit der produzierten Zahlenwerte geben kann. Es muss daher kritisch beleuchtet werden, inwieweit dieses Resultat die Verkomplizierung von Machtverhältnissen rechtfertigen kann. Von einer klar abgegrenzten Zuständigkeit zwischen Controller und Manager kann freilich keine Rede sein, da Controlling durch seinen Anspruch an die "Schaffung einer Wirklichkeit" und die damit verbundene Wahrnehmungs- und Prioritätenverschiebung sowie Selektion von Faktoren unternehmerisches Handeln massiv beeinflusst. Diese durch Darstellung in Zahlen abstrahierte Wirklichkeit kann aber die reale in ihrer Komplexität nicht wiedergeben und führt damit paradoxerweise in ihrer einfachen Gestaltung zu einer zunehmenden Intransparenz der realen Umwelt, in der andere Faktoren mit anderer Gewichtung zählen als in der abstrahierten Scheinwelt.


Literatur

  • Endruweit, Günter; Frommsdorff, Gisela (Hrsg.): Wörterbuch der Soziologie, 2. Aufl., Stuttgart 2002.
  • Hartfiel, Günter; Hillmann, Karl-Heinz: Wörterbuch der Soziologie, 3. Aufl., Stuttgart 1972.
  • Hopwood, Anthony G.; Miller, Peter: Accounting as social and institutional practice, Cambridge 1994.
  • Mennicken, Andrea; Vollmer, Hendrik (Hrsg.): Zahlenwerk - Kalkulation, Organisation und Gesellschaft, Wiesbaden 2007.
  • Mentzel, Wolfgang: BWL Grundwissen, 2. Aufl., Planegg 2004.
  • Münch, Richard; Guenther, Tina: Der Markt in der Organisation. Von der Hegemonie der Fachspezialisten zur Hegemonie des Finanzmanagements.“ In: Paul Windolf (Hg.). Finanzmarkt-Kapitalismus. Analysen zum Wandel von Produktionsregimen. Sonderheft 45/2005 der KZfSS. S. 394-417.
  • Reinhold, Gerd; Lamnek, Siegfried; Recker, Helga: Soziologisches Lexikon, 4. Aufl., München 2000.
  • Rössel, Jörg in: Jens Beckert und Milan Zafirovsky (Hrsg.): International Encyclopedia of Economic Sociology, London 2005, S. 109-111.
  • Wöhe, Günter: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 20. Aufl., München 2000.

Weiterführend zu Controlling

  • Bartscher, Thomas: Telekolleg MultiMedial - Betriebswirtschaftslehre, München 2003.
  • Ziegenbein, Klaus: Kompakt-Training Controlling, 2. Aufl., Ludwigshafen 2004.

Controlling-Beispielfelder

  • Controlling in der Pflege, Betrachtung des Systems Controlling in dem Pflegebereich aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Medizin, Pflege, Pädagogik und Soziologie, Verbindung der pflegerisch-sozialen und der ökonomischen Perspektive: Winfried Zapp (Hrsg.): Controlling in der Pflege, Bern 2006.
  • Die Grundlagen des Informationstechnik-Controlling als Dienstleistungselement mit Beispielen und Fallstudien: Gadatsch, Andreas; Mayer, Elmar: Grundkurs IT-Controlling, Wiesbaden 2004.
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