Altruismus
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Einführung
Im Folgenden soll der Begriff des Altruismus dahingehend näher vorgestellt werden, dass, aufbauend auf Merkmalen der altruistischen Persönlichkeit (u.a. Bereitschaft zum Helfen ohne davon Eigennutz zu erwarten), altruistisches Handeln bzw. dessen Motivationen, die hier evolutionspsychologisch, anhand von Kosten-Nutzen Abwägungen und der sog. Empathie-Altruismus-Hypothese veranschaulicht werden, beschrieben wird. Darüber hinaus wird auf altruistisches Verhalten in sozialen Systemen, abhängig von der Situation, der persönlichen Disposition und normativen Einflüssen, und in wirtschaftlichen Zusammenhängen eingegangen werden, um danach ein Fazit zu ziehen.
Definition
Vom Lateinischen: alter: der andere; durch Rücksicht auf andere gekennzeichnete Denk- und Handlungsweise (ähnliche Begriffe: Mitgefühl, Nächstenliebe, Humanität, Mitleid, moralisches Handeln, Wohlwollen, Selbstlosigkeit, etc.). (www.wikipedia.de/altruismus)
Die altruistische Persönlichkeit
„Es scheint eine altruistische Persönlichkeit zu geben, die wie folgt beschrieben werden kann: Die betroffene Person ist eher motiviert, sich auf altruistische Handlungen einzulassen. Er oder sie hat höhere universelle Standards von Gerechtigkeit, sozialer Verantwortung und Formen des moralischen Denkens, Urteilens und Wissens internalisiert; und/oder er oder sie ist empathischer für die Gefühle und Leiden anderer und fähig, die Welt aus deren emotionaler und motivationaler Perspektive zu sehen. Auf der Basis solcher Motivationen ist diese Person geneigt, eine große Anzahl von sehr verschiedenen altruistischen Verhaltenweisen wertzuschätzen und sich entsprechend zu engagieren, vom Abgeben an solche Personen, die bedürftiger als sie selbst sind, bis hin, anderen Erleichterung zu verschaffen und sie aus unangenehmen Situationen zu befreien. Altruisten verhalten sich auch durchweg ehrlicher, beharrlicher und mit mehr Selbstkontrolle als Nichtaltruisten. Als Konsequenz seiner oder ihrer altruistischen Handlung genießt diese Person Ansehen bei ihren Gefährten und Kollegen. Darüber hinaus hat die gefestigte altruistische Person eine integriertere Persönlichkeit, ein starkes Gefühl der eigenen Tatkraft und des eigenen Wohlergehens, das, was man im allgemeinen mit „Integrität“ bezeichnet.“ (Harbach,177)
Drei Motivationen altruistischen Handelns
Evolutionspsychologie
Untersuchungen der Evolutionspsychologie versuchen zu erklären, wie altruistisches Verhalten mit genetischen Faktoren, die sich aufgrund natürlicher Selektion entwickelt haben, zusammenhängt. Schon Charles Darwin erkannte, dass altruistisches Verhalten im Prozess des „Survival of the fittest“ nur schwer unterzubringen ist. Ein Versuch den Evolutionsbiologen unternommen haben, diese Problem zu lösen, bezieht sich auf die sog. kin selection (Selektion von Verwandten). Hierbei wird die Möglichkeit die eigenen Gene weiterzugeben nicht nur darin gesehen, selbst Nachkommen zu zeugen, sondern auch darin, sicherzustellen, dass (genetische) Verwandte sich fortpflanzen. Man hilft also Verwandten in eine Position zu gelangen, die das Überleben deren Nachwuchses gewährleisten kann, weil auf diese Weise die eigenen Gene, die in ähnlicher, (verwandter) Form von Familienangehörigen getragen werden, ebenfalls an zukünftige Generationen weitergegeben werden können. Auf diese Weise wird altruistisch gehandelt, wenn auch nur gegenüber Verwandten. Das Argument Menschen bedächten somit ständig die Wahrscheinlichkeit der Weitergabe der eigenen Gene und handelten nur darum altruistisch, wird dadurch entkräftet, dass die kin selection nach Jahrtausenden der Ausübung nur noch instinktiv, also unterbewusst betrieben wird. Ein weiteres Argument Altruismus evolutionär zu erklären, bezieht sich darauf, dass ein Teil des Prozesses der natürlichen Selektion in der Fähigkeit bestehe, sich an soziale Normen anzupassen. Diejenigen Personen, die dies am besten können, haben bessere Aussichten darauf zu überleben. Im Prozess der natürlichen Selektion hat sich diese Lernfähigkeit im Genom niedergeschlagen. Eine dieser Normen bezieht sich auf den Wert des Helfens anderer. Altruismus ist also im Genom verankert.
Kosten und Nutzen des Helfens
Eine Theorie, die nicht davon ausgeht, altruistisches Verhalten sei durch genetische Veranlagung bestimmt, sondern von dem Wunsch Eigenkosten zu minimieren und Eigennutzen zu maximieren, ist die sog. social exchange theory. Wo in ökonomischen Zusammenhängen finanzieller Gewinn angestrebt wird, so wird in sozialen Beziehungen die Maximierung des sozialen Nutzens verfolgt. Helfendes Handeln kann demnach auf unterschiedliche Weise belohnt werden. Einerseits erhöht es die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Gegenleistung von der Person, der geholfen wurde, andererseits kann durch Hilfeleistung situativer emotionaler Stress abgebaut werden. So hilft man einer leidenden oder in Not geratenen Person unter anderem darum, der eigenen, möglicherweise unangenehmen, von der Notlage der hilfebedürftigen Person hervorgerufenen Betroffenheit entgegenzuwirken. Außerdem steigert Hilfsbereitschaft nicht nur das eigene Selbstwertgefühl, sie erhöht ebenso das Ansehen der eigenen Person in den Augen anderer. Ist die Hilfeleistung aber zu teuer, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch in Bezug auf mögliche Gefahren, denen man sich durch Hilfeleistung ausgesetzt sehen müsste, oder auch zu zeitaufwendig, bleibt sie unter Umständen aus. Die grundlegende Annahme der social exchange theory besteht darin, dass nur geholfen, altruistisch bzw. prosozial (so der Begriff in diesem Zusammenhang) gehandelt wird, wenn der zu erwartende Nutzen die zu erwartenden Kosten übersteigt. Die social exchange theory sagt also aus, dass wahrer Altruismus nicht existiert.
Die Empathie-Altruismus-Hypothese von C.Daniel Batson
Der Psychologe C.Daniel Batson erkennt die Tatsache, dass menschliches Handeln oft von Selbstbezogenheit und Eigennutz geprägt ist an, argumentiert aber ebenfalls dahingehend, dass Handeln manchmal von rein altruistischen Motiven bestimmt sei, in der Art, anderen zu helfen, selbst wenn dies Kosten (also keinen Eigennutz) seitens der helfenden Person nach sich zöge. Das Handeln wird am wahrscheinlichsten dann vom Altruismus ausgemacht, wenn der hilfebedürftigen Person gegenüber Mitleid (Empathie) empfunden wird. (Aronson, 358ff.)
Altruistisches Verhalten in sozialen Systemen
Altruistisches Verhalten in sozialen Systemen ist durch mehrere Faktoren beeinflusst. Drei davon werden hier aufgeführt.
Situation
Das helfende Handeln einer Person hängt der Situation entsprechend, neben den bereits genannten Kosten des Helfens, von der Attraktivität der hilfebedürftigen Person und der Stärke der Empathie die ihr gegenüber empfunden wird sowie dem Verantwortungsbewusstsein, das potenziellen Mithelfer (andere, umstehende Personen) zugerechnet wird, ab.
Persönliche Disposition
Je nach dem, ob Personen, die sich einer Situation ausgesetzt sehen, die helfendes Handeln erforderlich machen würde, eher Sicherheit oder Ansehen anstreben, wird ihr (mögliches) Handeln durch passiv bleibende Umstehende dahingehend beeinflusst, dass es Hemmung erfährt und ausbleibt (Sicherheit), oder trotz der passiven Umstehenden ausgeführt wird (Ansehen). Aufgrund persönlicher und charakterlicher Disposition werden Notsituationen hinsichtlich ihrer Schwerwiegendheit somit verschiedenartig eingeschätzt, was sich auf die Bereitschaft zu helfen auswirkt.
Normative Einflüsse
Genau wie andere Interaktionen in sozialen Systemen an normativen Strukturen orientiert sind, wird auch altruistisches Verhalten von Normen bestimmt und ist darin verankert. Neben grundsätzlichen ethischen Prinzipien, wie Nächstenliebe, sind zum Beispiel die Garantie der Menschen- oder Grundrechte oder Hilfeleistung in Gefahrensituationen gesetzlich verankert. Altruistisches Verhalten ist also sozusagen gesetzlich vorgeschrieben und kann im Fall der Nichtbefolgung entsprechend bestraft werden. (Montada, 1ff.)
Wirtschaft und altruistisches Verhalten
In wirtschaftlichen Zusammenhängen lässt sich altruistisches Verhalten am ehesten dann erkennen, wenn dadurch die Chancen auf Gewinn gesteigert werden können. Nicht durch Rücksichtslosigkeit oder andere Formen aggressiven Verhaltens, sondern durch Kooperation, Zuvorkommendheit und Hilfsbereitschaft anderen Marktteilnehmern gegenüber, wird somit im Wirtschaftsprozess Gewinn angestrebt. Altruismus ist also hier vor allem als Investition zu verstehen. Es lässt sich aber auch wirtschaftliches Handeln anführen, das freier von Selbstinteresse ist. Investiert man beispielsweise in eine Lebensversicherung, die vorsieht, die jeweilige Versicherungssumme an die Hinterbliebenen nach dem Tod der versicherten Person auszuzahlen, so profitiert diese von dieser Investition nicht, sondern eben nur die Begünstigten. (Fourcade; Healy, 288. Zelizer, 591-607)
Fazit
Es wird also zwischen von Kosten/Nutzenabwägungen bestimmtem prosozialen Verhalten (siehe: social exchange theory) und reinem Altruismus (siehe: Empathie-Altruismus-Hypothese) unterschieden. Wirklich in allen Belangen selbstloses Handeln ist schwer nachzuweisen, darum soll hier der Fokus auf dem Merkmal, das sowohl prosozialem Verhalten, als auch reinem Altruismus zueigen ist, liegen, nämlich dem helfenden Handeln, unabhängig vom Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein von Selbstinteresse.
Quellenverzeichnis
- Aronson, Elliot; Wilson, Timothy D.; Akert, Robin M. Social Psychology. Upper Saddle River: Pearson Eduction. 2005.
- Fourcade, Marion; Healy Kieran. Moral Views of the Market Society. In: Annual Review of Sociology Vol. 33. 2007. Online abgerufen unter www.arjournals.annualreviews.org am 14.5.2008.
- Harbach, Heinz. Altruismus und Moral. Opladen: Westdeutscher Verlag. 1992.
- Montada, Leo; Bierhoff, Hans Werner (Herausgeber). Altruism in Social Systems. Göttingen: Hogrefe & Huber. 1991.
- Zelizer, Viviana A. Human Values and the Market: The Case of Life Insurance and Death in 19th-Century America. In: The American Journal of Sociology, Vol. 84, No. 3. 1978. Online abgerufen unter www.jstor.org am 14.5.2008.
- www.wikipedia.de/altruismus
