Geschichte des Internet
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Die Geschichte des Internet
Definition des Internet
Das Internet ist ein weltweites Rechennetzwerk, das sich nicht aus einzelnen Rechnern zusammensetzt, sondern aus zahlreichen verschiedenen Netzwerken besteht. Seine ersten Anfänge wurden schon Ende der Fünfziger Jahre zu militärischen Zwecken von der ARPA (Advanced Research Projects Agency), der heutigen DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency), in den USA entwickelt. Durch die Standardisierung mittels des einheitlichen Übertragungsprotokolls TCP/IP ist das Internet heute nahezu weltweit von jedem Computer aus erreichbar. Über verschiedene Dienste wie FTP (File Transfer Protocol), E-Mail und WWW (World Wide Web) steht den Internetbenutzern eine beinahe unendliche Bandbreite des Daten- und Informationsaustauschs sowie eine schnelle und einfache Kommunikationsplattform zur Verfügung. Das Internet wird heute bereits von fast 1,6 Milliarden Menschen genutzt. Das entspricht fast einem Viertel der gesamten Weltbevölkerung (23,5 Prozent). (Quelle: www.internetworldstats.com/stats.htm, Stand: 31. Dezember 2008). Der Name Internet setzt sich in verkürzter Form aus den beiden englischen Begriffen international und Network zusammen und verdeutlicht schon allein dadurch, dass es sich um ein internationales (Computer-) Netzwerk handelt.
Die Wurzeln des Internet
Die ersten Anfänge des Internet reichen bis ins Jahr 1957 zurück, obwohl damals mit Sicherheit noch niemand daran geglaubt hätte, dass diese Entwicklung zu einer der bahnbrechendsten Erfindungen des späten 20. Jahrhunderts werden sollte. Just in jenem Jahr gründete das amerikanische Verteidigungsministerium die Arbeitsgruppe ARPA (Advanced Research Projects Agency). Zunächst zeichnete sich diese für die gesamte Oberaufsicht der amerikanischen Raumfahrt und strategischen Raketenforschungsprojekte verantwortlich. Nachdem aber nur wenige Monate später im Jahre 1958 die NASA gegründet wurde, und der Raumfahrtsektor an diese übertragen wurde, widmete sich die ARPA mehr der Grundlagenforschung mit der vagen Zielsetzung zur Ideenfindung und Forschung nach neuen Technologien. Auslöser für die Gründung der ARPA war übrigens der Sputnik-Schock der USA in Folge des erfolgreichen Starts des ersten sowjetischen Erdsatelliten "Sputnik 1". Die USA befürchteten daraufhin, den wissenschaftlichen und technischen Vorsprung auf den sowjetischen Gegner im Kalten Krieg zu verlieren. Infolgedessen beschloss der amtierende US-Präsident Dwight D. Eisenhower der Wissenschaft immense Summen für die technologische Entwicklung und die Wissenschaft bereitszustellen.
Als einen der ersten Schritte führte die ARPA die Installation von Großrechnern durch, was gleichzeitig den ersten Schritt ins Informationszeitalter bedeutete. Einer der visionärsten Wissenschaftler, den die ARPA 1960 gewinnen konnte, war Joseph Carl Robnett Licklider, er erkannte bereits sehr früh, dass Computer nicht nur dem Militär und der Wissenschaft dienen, sondern in Zukunft immer größere Verbreitung in allen möglichen Bereichen finden sollten. Deshalb forcierte er auch zahlreiche Projekte, die der Vernetzung von Rechnerressourcen dienten. Licklider verließ die ARPA zwar bereits 1962 wieder, doch hatte er seine innovativen Ideen bereits tief in der APRA verankert. Parallel zu den Forschungen der ARPA arbeitete der Wissenschaftler Paul Baran 1964 für die Air Force an einer eigenen neuartigen Netzwerkstruktur. Seine Idee bestand darin, ein dezentrales, maschendrahtartiges Netzwerk zu entwickeln. So konnte gewährleistet werden, dass Daten zwischen Sender und Empfänger auch dann noch ankommen, selbst wenn mehrere einzelne Leitungen ausfielen. Barans Idee von einem dezentralen Netzwerk ging schließlich in ein neues ARPA-Projekt unter der Leitung von Bob Taylor über, das schließlich in der Entwicklung des ARPANet mündete.
Die verschiedenen Netzwerke
Das ARPANet
Bei der ARPA griff man diese ersten Forschungsansätze eines deszentralen, maschendrahtartig-konzipierten Netzwerkes - aufgrund der immensen Sparmöglichkeiten - äußerst wohlwollend auf. Und so entschloss sich die ARPA, das neue Projekt namens ARPANet ab 1966 unter der Leitung von Bob Taylor und dem Computergenie Larry Roberts von Anfang an mit großen Investitionen zu unterstützen. Roberts Idee war es, zunächst die vier größten Forschungseinrichtungen an der Westküste der USA miteinander zu verbinden. Namentlich das Standford Research Institute, die University of California Santa Barbara, die University of California Los Angeles und die University of Utah Salt Lake City. Der nächste Schritt lag nun darin, die Netzwerkprotokolle und Schnittstellen der Großrechner zu vereinheitlichen, denn nur so konnten die Großrechner nach einer geplanten Vernetzung auch miteinander kommunizieren. Nach der Ausschreibung zur Verwirklichung dieser Aufgabe bekam ein relativ kleines Unternehmen namens Bold, Beranek & Newman (BBN) den Zuschlag. Diesem gelang am 1. Oktober 1969 die erste Kommunikation zwischen den beiden Großrechnern der University of California Los Angesles und des Standford Research Institutes. Jedoch kam dabei keine große Datenübertragung zustande und zudem führte diese erste kleine Kommunikation zu einem Systemabsturz der Rechensysteme. Nur zwei Monate später, im Dezember 1969, gelang dem Unternehmen schließlich dennoch die erfolgreiche Vernetzung der vier genannten Wissenschaftsstandorte (siehe Grafik).
Die Vernetzung der vier größten Forschungseinrichtungen an der Westküste der USA im Jahre 1969 zum ARPANet.
Quelle: Naumann, Friedrich: Vom Abakus zum Internet. Darmstadt 2001. S. 234.
Das ALOHANet
Unabhängig davon begann im Jahre 1968 die University of Hawaii ebenfalls mit der Weiterntwicklung ihres sporadisch vorhandenen Rechnernetzwerkes. An ihrem Hauptstandort verfügte die Universität über einen IBM-Großrechner auf den sieben Colleges und einige weitere Forschungseinrichtungen via Telefonleitung zugreifen und so dessen Rechnerleistung nutzen konnten. Das Problem lag nun darin, dass die immensen Telefonkosten einen Großteil des Etats der Computerabteilung verschlangen. Professor Norm Abramson entwickelte daher die Idee, den Zugriff auf den Hauptrechner über Funkgeräte zu verwirklichen. Dabei diente jeweils eine Frequenz zum Senden und eine zum Empfangen der Daten. Da jedoch alle Funkgeräte diese Frequenzen nutzten, kam es unweigerlich zu Daten-Kollisionen. Genau wie beim nahezu parallel entwickelten ARPANet wählte die University of Hawaii eine paketweise Übertragung, der Clou bei der Sache war jedoch die zufallsgesteuerte und zeitverzögerte Wiederholung bei einer vorangegangenen Datenkollision, denn durch die zufallsgesteuerte Wiederholung nach einigen Sekundenbruchteilen war eine erneute Datenkollision äußerst unwahrscheinlich. Die revolutionär einfache und vor allem kostengünstige Methode führte zur explosionsartigen Ausbreitung lokaler Netzwerke und zudem dazu, dass das ALOHANet nur kurze Zeit später direkt mit dem ARPANet auf dem Festland verbunden wurde. Gleichzeitig fand die zufallssgesteuerte und zeitverzögerte Sendewiederholung bei Datenkollision einige Jahre später in einem anderen Übertragungsprotokoll Einzug: dem bis heute genutzten Ethernet, eine Netzwerktechnik für lokale, kabelgebundene Netzwerke. Besser unter dem Begriff LAN (Local Area Network) bekannt.
Das CSNet
Der einsetzende Computer-Boom der Siebziger Jahre führte dazu, dass an zahlreichen Universitäten und Forschungseinrichtungen eigene Computereinrichtungen institutionalisiert wurden. Nur die wenigsten davon waren jedoch an das ARPANet der 1972 in DARPA umbenannten Forschungsanstalt angeschlossen. Das hinzugekommene „D“ steht für „Defense“ und sollte zum Ausdruck bringen, dass die Projekte der DARPA von nun an mehr der Landesverteidigung dienen sollten. Dementsprechend unterstützte die DARPA auch nur noch Projekte, die der Landesverteidigung tatsächlich eines Tages hilfreich sein könnten. Der Anschluss von Universitäten an das ARPANet war aufgrund ausbleibender Subventionen sehr kostspielig, daher verfügten im Jahre 1979 auch nur 15 von 120 Universitäten mit eigenen Informationsabteilungen über einen Anschluss ans ARPANet.
Deshalb trafen sich 1979 Vertreter verschiedener Universitäten mit einem Berater der DARPA, um über diese Misere zu beraten. Sie einigten sich auf ein neues vom ARPANet unabhängiges Netwerk: das CSNet. Die Finanzierung des neuen Netwerkes sollte dabei durch Nutzungsgebühren der daran angeschlossenen Universitäten und durch die NSF (National Sience Foundation), die US-Behörde für Wissenschaftsförderung, gesichert werden. Nach einer Förderungszeit von fünf Jahren konnte sich das CSNet schließlich selbst finanzieren und verband mittlerweile fast alle US-Universitäten mit eigenen Computerabteilungen und zahlreiche private Forschungseinrichtungen miteinander. Das CSNet gilt deshalb auch als erstes gelungenes Beispiel für ein rein wissenschaftliches Computernetzwerk.
In der Folgezeit der Achtziger Jahre etablierten sich dennoch zahlreiche weitere Netzwerke. 1. um eigene Netzwerktypen voranzutreiben und 2. um Geld zu sparen (viele Institutionen konnten sich auch den Anschluss an das CSNet nicht leisten) Als Beispiele seien an dieser Stelle stellvertretend einige der bekanntesten Netzwerke genannt: NITNet, Usenet, SPAN, FidoNET.
Einführung des Übertragungsprotokolls TCP/IP
Mit dem Beginn des Jahres 1983 wurde das ARPANet auf das Übertragungsprotokoll TCP/IP umgestellt. Das bis heute verwendete TCP/IP stellte ein revolutionäres Übertragungsprotokoll dar, mit dem theoretisch die Adressierung von über vier Milliarden Rechnern in einem Netzwerk möglich war. Das Übertragungsprotokoll TCP/IP gilt als technischer Wegbereiter des Internet, da erst dieses Protokoll die interdisziplinäre Kommunikation über verschiedene Rechner und Netzwerktypen ermöglichte.
Das NSFNet
Der Boom des PCs (Personal Computer) ebenfalls in den Achtziger Jahren führte zu einem rasenden Wachstum der Computerindustrie. Und so kam es, dass auch immer mehr nichtcomputerwissenschaftliche Einrichtungen (allen voran aus den Bereichen Physik, Astronomie etc.) nach Netzwerkzugängen riefen. 1985 wurden in den USA dann fünf sogenannte Supercomputerzentren eingerichtet. Die NSF erklärte sich bereit, diese fünf Zentren miteinander zu verbinden und somit ein Rückgrat (engl.: backbone) für ein neues Netzwerk (das NSFNet) zu bilden. In diesem Zusammenhang entstand auch der Begriff des Backbone. Beim Aufbau des NSFNet setzte die NSF jedoch ein neuartiges Konzept um. Anstatt jeder Forschungseinrichtung den Zugang zu finanzieren, bezahlte sie lediglich den Aufbau des Backbones und gewährte den verschiedenen Forschungseinrichtungen einer Region, nur sich gemeinsam an das NSFNet anzuschließen (siehe Veranschaulichung NSFNet). Hierfür mussten sich verschiedene Forschungseinrichtungen einer Region zusammentun und kleine, regionale Netwerke untereinander einrichten, die so schnell und zahlreich entstanden.
Veranschaulichung der Funktionsweise des NSFNet.
Quelle: Eigene Darstellung von Jérôme Umminger.
Das Moderne Internet
Gibt es eine Geburtsstunde des Internet?
Über die wahre Geburtsstunde des Internet scheiden sich nun verständlicherweise die Geister. Da die Entstehung des Internet, wie hier dargestellt, nicht auf ein spezielles Datum fixiert werden kann, sondern vielmehr einen langen, mehrjährigen Entwicklungsprozess darstellt. Man spricht deshalb oft von (vielen) Geburtsstunden des Internet. Also Wegmarken, die große Fortschritte auf dem Weg zum Internet bedeuteten, wie wir es heute kennen. Als erste Geburtsstunde des Internet kann die erste Kommunikation der Großrechner de University of California Los Angesles und des Standford Research Institutes gewertet werden. Es kam zwar keine große Datenübertragung zustande und der erste Kommunikationsanlauf mündete in einem Systemabsturz der Rechner, trotzdem gilt der 10. Oktober 1969 für viele als die erste Geburtsstunde des Internet. Eine Weitere Wegmarke stellt das 1983 eingeführte TCP/IP-Netzwerk-Protokoll dar, das als technischer Wegbereiter erst die interdisziplinäre Kommunikation über verschiedene Rechner und Netzwerktypen ermöglichte. Für zahlreiche weitere Experten stellt aber auch erst die 1995 vorgenommene Definition des Internet durch das FDC (Federal Networking Council, Beratergremium der US-Regierung) die tastsächliche Geburtsstunde des Internet dar.
Demnach ist das Internet
- 1. ein globales, logisch verknüpftes Informationssytem, das in der Lage ist
- 2. Datenübertragung zu unterstützen und
- 3. höherwertige Dienste für öffentliche und private Zwecke anzubieten.
Fest steht auf jeden Fall, dass das Internet niemals nur aus einem Netzwerk bestand. Als weitere Geburtsstunden des Internet können deshalb die zahlreichen Verbindungen der verschiedenen Netzwerke miteinander angesehen werden, die so zu einer immer konkreter werdenden Ausformung des Internet geführt haben.
Das Phänomen World Wide Web
Das „moderne“ Internet, wie wir es heute kennen, wurde stark durch die Erfindung des World Wide Web geprägt. Zwar gab es das Internet, je nach Sichtweise, in den Neunzigern schon seit über 20 Jahren, doch war es noch eine sehr wissenschaftliche und statische Angelegenheit, das großen Forschungseinrichtungen vorbehalten blieb. Selbst die Computerbranche tat sich zu Beginn mit dem Internet noch sehr schwer, da keine sinnvolle Vernetzung von Inhalten möglich war.
Die Idee
Eine erste Idee, die Verknüpfungsproblematik zu lösen, hatte der Brite Tim Berners-Lee, der am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Bern arbeitete. Sein erklärtes Ziel war es, die immense Datenflut am CERN zu bündeln und so in der Dokumentation wieder leichter auffindbar zu machen, denn das bisherige Dokumentationssystem war seiner Ansicht nach äußerst schlecht und machte es so gut wie unmöglich, alte Forschungsergebnisse gezielt wieder zu finden. Er entwickelte daher ein Konzept, die verschiedenen Forschungsergebnisse mittels Verwebungen zu verknüpfen. Dadurch entstand auch der Begriff des Web. In seinem erste Entwurfspapier: „Information Management: A Proposal“ entwickelte er bereits die Idee des Hyperlinking. Um das Ganze aber auch computertechnisch umsetzen zu können, fehlte ihm die entsprechende Software, so beschloss er im Herbst 1990 kurzerhand selbst einen Browser zu programmieren. Nur zweieinhalb Monate später lieferte er er den ersten Prototyp unter dem Namen WorldWideWeb (alles zusammengeschrieben) ab. Der Browser war im Prinzip nichts anderes als ein einfaches Textbearbeitungsprogramm zum Anzeigen von Texten in das auch Links, also die Weiterleitung zu anderen Inhalten (Texte, Grafiken etc.) eingebettet werden konnten. Im Dezember 1990 entwickelte er schließlich die erste Hypertext-Sprache HTML. Nun funktionierte das World Wide Web zum ersten Mal nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis.
Der nächste Schritt
Den Rechner, den Berners-Lee zur Umsetzung seines Browsers nutze, war allerdings ein sehr selten eingesetzes NeXT-System und so mussten zunächst noch eigenständige Versionen für die weitaus gängigeren Unix-Plattformen programmiert werden, da sein erster Browser nur auf NeXT-Systemen lief. Gemeinsam mit seinem Kollegen Robert Caillau entwickelte Berners Lee seine Idee in Eigeninitiative weiter, da er seitens des CERN kaum finanzielle Unterstützung bekam. Das Endergebnis, das unter tatkräftiger Mithilfe von Praktikanten und studentischen Hilfskräften entstand, war ein neuer Browser, der zwar in Sachen grafischer Darstellung einen Rückschritt darstellte, aber praktisch auf jedem Terminal lief.
Die Open-Source-Erfolgswelle
Tim Berners-Lee entschied sich schnell dazu, seine Forschungs- und Programmierrgebnisse in einer Anwendungsbibliothek, nach dem so genannten Open-Source-Prinzip kostenlos online zur Verfügung zu stellen. Dies stellte die Basis für die rasche Entwicklung neuer Browser dar und so kam es in der Folgezeit zu einer immer größeren Verbreitung von Internet-Browsern, was gleichzeitig die Entstehung von immer mehr Webservern mit einem immer vielfältiger werdenden Informationsgehalt mit sich brachte. Im Jahre 1994 wurde das CERN-Projekt von Tim Berners-Lee schließlich in ein unabhängiges World Wide Web Consortium umgewandelt, dessen Leitung er selbst übernahm. Nach harten Verhandlungen steuerten die USA und die EU schließlich große Fördergelder bei, was letztendlich zu einem wahren Internet-Boom führte.
Die weltweite Nutzung und Verbreitung des Internet ab 1990
Wie bereits oben erwähnt, wird das Internet heute (Stand: 31. Dezember 2008) von fast 1,6 Milliarden Menschen genutzt, was fast einem Viertel der Weltbevölkerung entspricht (23,5 Prozent). Doch die Nutzung und Verbreitung ging nur schleppend voran. Des Weiteren lässt sich vor allem im Bezug auf die verschiedenen Weltregionen eine äußerst unterschiedliche Durchdringungsrate feststellen.
Im Jahre 1990 gab es weltweit lediglich drei Millionen Internetnutzer, wovon 73 Prozent aus den USA und 15 Prozent aus Europa kamen. Lediglich 12 Prozent der Internetnutzer saßen im Jahre 1990 also in anderen Regionen vor ihrem Rechner. Bis ins Jahre 1995 steigerte sich die Zahl der Internetnutzer weltweit auf insgesamt 16 Millionen, was zwar einer Steigerungsrate von 433,33 Prozent entspricht, jedoch gerade einmal 0,4 Prozent der damaligen Weltbevölkerung entsprach. Die rasanteste Entwicklung erfuhr das Internet (mit der Entwicklung von Web-Browsern) ab dem Jahre 1995.
Bis ins Jahr 2000 steigerte sich die Zahl der Internetnutzer auf beinahe 361 Mio. Menschen. In diesem Zeitraum verloren die USA jedoch ihre Vorherrschaft im Bereich des Internet, denn bereits im Jahre 2000 verfügte ganz Nordamerika (USA, Kanada und Grönland) mit etwas mehr als 108 Mio. Internetnutzern nur noch über 29,9 Prozent aller Internetnutzer weltweit. Damit verfügte Asien mit 114 Mio. Menschen (31,6 Prozent) im Jahr 2000 bereits über mehr Internetnutzer als ganz Nordamerika und auch Europa stand mit 105 Mio. Nutzern (29,1 Prozent) mit Nordamerika bereits fast auf Augenhöhe. Festzustellen ist hierbei, dass die drei Weltregionen Nordamerika, Asien und Europa zusammen über 90 Prozent aller Internetnutzer weltweit stellten. Die restlichen Regionen Lateinamerika, Ozeanien/Australien, Afrika und der Mittlere Osten verfügten zusammen also nicht einmal über zehn Prozent aller Internetnutzer weltweit.
Nach den neusten Statistiken muss sich Nordamerika sogar mit dem dritten Platz im Bereich der Internetnutzer hinter Asien und Europa begnügen. Mit über 650 Mio. Internetnutzern stellt Asien mittlerweile mit Abstand den größten Anteil (41,3 Prozent) der „Onliner“ weltweit. Erst mit großem Abstand folgt Europa, das mit seinen 390 Mio. Nutzern aber immer noch fast ein Viertel (24,8 Prozent) aller Internetnutzer weltweit stellt. Nordamerika hingegen stellte im Jahr 2008 mit knapp 247 Mio. Internetnutzern gerade einmal noch 15,7 Prozent der Internetnutzer weltweit.
Betrachtet man jedoch die Durchdringungsrate der Internetnutzer nach Weltregionen gemessen an der Bevölkerungszahl, so ist Nordamerika hier wesentlich weiter fortgeschritten, als die anderen Regionen, denn mit einer Durchdringungsrate von 73,1 Prozent verfügt fast jeder dritte Nordamerikaner über einen Internetzugang. In Europa hat bei einer Durchdringungsrate von 48,5 Prozent immerhin noch jeder zweite Zugang zum Internet. In Asien hingen, wo zwar die absolute Zahl der Internetnutzer am höchsten ist, liegt die Durchdringungsrate bei gerade einmal 17,2 Prozent, was bedeutet, dass in Asien nicht einmal jeder fünfte Bürger Zugang zum Internet hat.
Doch trotz der Weiterentwicklung im Internetbereich in den sogenannten Dritte-Welt-Ländern verfügen Asien, Europa und Nordamerika auch heute noch über 80 Prozent aller Internetnutzer weltweit und die Entwicklungsregionen (Afrika, Lateinamerika, Mittlerer Osten etc.) zusammen über gerade einmal etwas mehr als 18 Prozent. Im Bezug auf die Nutzung und Verbreitung des Internet gibt es jedoch einen kleinen Hoffnungsschimmer für die Schwellenländer, denn abschließend ist festzustellen, dass in der Entwicklungsphase von 2000 bis 2008 die Regionen Mittlerer Osten (1.296,2 Prozent), Afrika (1.100 Prozent) und Lateinamerika (820,7 Prozent) die größten Steigerungsraten der Internetnutzer erzielen konnten. So konnte Afrika beispielsweise seinen Anteil der Internetnutzer von 1,25 Prozent im Jahre 2000 auf immerhin 3,4 Prozent im Jahre 2008 steigern.
Übersichtstabelle der weltweiten Internetnutzung in den Jahren 2000 und 2008 nach Regionen aufgespaltet.
Quelle: http://www.internetworldstats.com/stats.htm
Fazit / Zusammenfassung
Wie hier deutlich dargestellt, kann das Internet nicht auf ein explizites Erfindungsdatum festgelegt werden. Vielmehr führten zahlreiche Schritte und ein langwieriger Entwicklungsprozess zum „modernen“ Internet, wie wir es heute kennen. Erste Ansätze waren freilich die Entwicklungsphasen der ARPA sowie die Entwicklung und letztendliche Verbindung mit verschiedenen anderen Netzwerken. Den ersten Schritt weg vom statischen Internet hin zum modernen Internet unternahm der Computerspezialist Tim Berners-Lee. Auch wenn das World Wide Web bei seinem Arbeitgeber, dem Kernforschungszentrum CERN, zunächst eher stiefmütterlich behandelt wurde, so war es doch mehr oder minder Zufall, dass sich an einem Ort mehrere kreative Köpfe trafen, "die zusammen Probleme erkannten, gemeinsam einen Traum lebten und so als Team nur gemeinsam eine Lösung entwickeln konnten."1
Siehe auch
- Soziologie der Kommunikation und Medien
- Online-Forschung
- Online-Gaming
- Virtuelle Community
- Netzvermittelte Interaktion
- Computervermittelte Kommunikation (CMC)
- Reputation & Online Reputation
- Netzvermittelte Interaktion
- Online Marktplätze
- Social News & Online Nachrichtenwesen
- Video & Live-Streaming
- Map-Funktionen & Geotagging
- Urheberrecht, Creative Commons und Freie Lizenzen
- Datenschutz & Privacy
- Internetkriminalität/Phishing
Quellen
- 1 Vgl. Hafner, Katie/Lyon, Metthew: Arpa Kadabra. Die Geschichte des Internet. Heidelberg 1997.
- 2 Vgl. Kirpal, Alfred/Vogel, Andreas: Neue Medien in einer vernetzten Gesellschaft: Zur Geschichte des Internets und des World Wide Web. In: NTM Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin. Ausgabe 14, Nummer 3, August 2006. Basel 2006.
- 3 Vgl. Naumann, Friedrich: Vom Abakus zum Internet. Die Geschichte der Informatik. Darmstadt 2001.
Online-Quellen
- 4 Vgl. Die Anfänge des Internet: http://www.netplanet.org/geschichte/arpa.shtml
- 5 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung: Das Internet: http://www.bpb.de/veranstaltungen/RQ7ZPM,0,0,Internet.html
- 6 Vgl. Internet-Statistiken: http://www.internetworldstats.com
- 7 Vgl. Spiegel-Wissen: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/03/14/dokument.html?titel=Internet&id=54394130&top=Lexikon&suchbegriff=internet&quellen=&qcrubrik=kultur
- 8 Vgl. Spiegel-Online: http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,288762,00.html
- 9 Vgl. Internet Use 1990: http://www.worldmapper.org/posters/worldmapper_map335_ver5.pdf

