Hierarchie & Heterarchie
Aus Sozwiki
Inhaltsverzeichnis |
Begriffsdefinitionen
Hierarchie: Das Wort hat griechischen Herkunft (ιεραρχια= heilige Herrschaft/ Ordnung).
"In der Soziologie meint die Hierarchie die Ueber- und Unterordnungsverhaeltnisse in jeglichen sozialen Beziehungen, die zumeist mit Herrschaft verbunden sind: Organisationssoziologisch betrachtet denkt man dabei zumeist eine Pyramidenstruktur mit: einige wenige Uebergeordnete bestimmen viele Nachgeordnete. Der Begriff der Hierarchie wird auch auf gesammtgesellschaftliche Verhaeltnisse angewandt, etwa das Schichtgefuege.
Die buerokratische Hierarchie bezeichnet die Ueber- und Unterordnungsverhaeltnisse in einer Verwaltung, bei der der Kommunikationsfluss von oben nach unten verlaeuft, indem einige wenige Vorgesetzte jeweils vielen Untergebenen gegenueber weisungsberechtigt sind.
Die soziale Hierarchie ist ein Ueber- und Unterordnungsverhaeltnis, das sich auf die sozialen und gesellschaftlichen Beziehungen richtet."
(Reinhold, Gerd (2000): Soziologie- Lexikon, 4. Auflage, R. Oldenbourg Verlag München, S. 260)
Heterarchie: der Begriff kommt ebenfalls aus dem Griechischen und bedeutet das Gegenteil von Hierarchie. Die Wortbedeutung des Begriffs "Heterarchie" lässt sich indirekt mit Bezug auf seinen Wortstamm bzw. die Wortverwandtschaft zu "Heteros" = "Der andere" erschließen. Er wurde 1945 vom Kybernetiker Warren McCulloch als Komplement zum Begriff der Hierarchie in die Wissenschaft eingeführt. Heute ist der Begriff vor allem in der Organisationstheorie zu verwenden, weil heterarchische Strukturen nur in lebenden Systemen beobachtet werden können, in Organismen oder in den Organisationsformen von Gesellschaften.
Beide Begriffe - Hierarchie und Heterarchie - verweisen explizit auf Herrschaftsverhältnisse!
Historischer Überblick:
Ursprünglich bezeichnete der Begriff Hierarchie die Rangordnung der Würdenträger in der christlichen Kirche.Später wurde er in sozialer Hinsicht bei Klassen- und Schichtmodellen der gesellschaft verwendet. Karl Marx hat zwischen zwei Klassen in der Gesellschaft unterscheiden: Bourgouasie und Proletariat. Die Bourgouasie war die herrschende Klasse und das Proletariat – die Arbeiterklasse, die beherrschte Klasse. Grundlage war das Kapital. Wer über kein Eigentum an Produktionsmittel verfügt hat, war untergeordnet in der Gesellschaft und wurde gezwungen seine Arbeit zu verkaufen. Und wer im Besitz von Produktionsmitteln war übergeordnet in der Gesellschaft, konnte somit die Besitzlosen ausbeuten. Nach Karl Marx wurde die Gesellschaft immer wieder als hierarchisch geordnet betrachtet, wie bei allen Klassen- und Schichtmodelle. Diese hierarchische Anordnung lag und liegt immer noch, obwohl es keine Klassen- und Schichtmodelle mehr gibt, an der sozialen Ungleichheit .
Hierarchie und Heterarchie aus Sicht von soziologischen Ansätzen
Georg Simmel hat sich in seinem Werk "Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung" intensiv mit dem Begriff der Hierarchie auseinandergesetzt. Er versteht hier den Begriff als Bezeichnung für verschiedene festgelegte soziale Rangordnungen und Über- bzw. Unterordnungsverhältnisse. Für Simmel ist die gesellschaftliche Ordnung eine konstruierte Ordnung, wobei sie durch alltäglich ablaufenden Bewusstsseinsprozesse entsteht, in welchen sich die einzelnen Gesellschaftsmitglieder wechselseitig nach kognitiven Mustern beurteilen und typisieren. Nach Simmel lebt jeder Mensch in Wechselwirkungen zu den anderen Menschen. Die Voraussetzung dieser Wechselwirkung entsprechen alle Formen der Über- bzw. Unterordnung. Für diese Formen liegen nach Simmel zwei fundamentale Ursachen zugrunde: - Individuen sind von Anlage und Entwicklung her einander ungleich. Dieser Unterschied führt unaufgefordert zu Rangordnung und Ungleichheit im gesellschaftlichen Verkehr. - Der Arbeitsprozess, der von zunehmender Differenzierung und Komplexitätgekennzeichnet ist, einfordert seine hierarchische Organisationsstruktur. Das Erreichen von Zielen erfordert Über- und Unterordnungsverhältnisse Auf diese beiden Argumentspunkte gründet Simmel seine Argumentation über Ungleichheit.
Hierarchie und Heterarchie in Organisationen
Die allgemein verbreitete Vorstellung des Begriffs Hierarchie ist für Über- und Unterordnung in einer Organisationsform- die Rangstufen in den verschiedenen sozialen Bereichen, wie Militär, Politik, Kirche und Bürokratie. Die allgemeine Vorstellung für den Begriff Heterarchie ist das absolute Gegenteil, also keine Rangordnung, sondern Nebenordnung. In einer Heterarchie stehen die Organisationseinheiten nicht in einem Über- und Unterordnungsverhältnis, sondern eher gleichberechtigt nebeneinander. Heterarchie steht für Selbststeuerung und Selbstbestimmung. Jeder Teilnehmer bzw. jede Organisationseinheit einer heterarchischen Organisation ist also zugleich Manager bzw. Steuerungseinheit dieser Organisation. Die heterarchische Struktur eines Unternehmens oder eines Netzwerks ist das Gegenstück zur hierarchischen Struktur. Die Koordination und Kooperation innerhalb eines Unternehmens erfolgt gleichberechtigt und die Machtverhältnisse in einem Unternehmensnetzwerk sind ausgeglichen.
• Ein typisches Beispiel für eine heterarchische Organisation ist das Studivz, wo alle Mitglieder gleichgestellt sind. Es gibt keine Über- bzw. Untergeordneten. Außerdem könnte jedes Mitglied allein Entscheidungen treffen, ohne sich von jemandem beraten zu lassen oder eine Erlaubnis einzuholen. Die Koordination und Kooperation innerhalb eines Unternehmens erfolgt gleichberechtigt und die Machtverhältnisse in einem Unternehmensnetzwerk sind ausgeglichen.
In den sozialen Systeme sind Hierarchien mehr mit Verhältnisse von Herrschaft verbunden, wie z. B. bei Behörden, Organisation eines Unternehmens, Militärwesen usw. Bildlich sind Hierarchien immer mit Pyramiden vergleichbar, da es verschiedene Ränge gibt, jeder ist für etwas bestimmtes verantwortlich und macht nur seine eigene Aufgaben. Je schmaler und höher die Hierarchie ist, desto mehr Kontrollen kann sie ausüben. Und je flacher und breiter sie ist, desto stärker hat sie die Funktion der Bereitstellung des Wissens zum Organisationsprozess.
• Typische Beispiele für hierarchische Organisationen sind: Schulen, Krankenhäuser, Polizei, Rathäuser , Universitäten. Dies sind Organisationen, in denen jedes Mitglied seine Aufgaben und Handlungsfeld hat und jeder das macht, wofür er zuständig ist, damit im Endeffekt das erwünschte Ziel erreicht wird.
Literatur:
- Reinhold, Gerd (2000): Soziologie- Lexikon, 4. Auflage, R. Oldenbourg Verlag München
- Hillmann, Karl- Heinz(2007):Wörterbuch der Soziologie, 5. Auflage, Alfred Körner Verlag Stuttgart
- Nicole Burzan (2007): Soziale Ungleichheit. Eine Einführung in die zentralen Theorien, 2. Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften
- http://socio.ch/sim/soziologie/soz_3.htm; zuletzt abgerufen am 01. 06. 2008
