Kooperation & Konkurrenz

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Inhaltsverzeichnis

Kooperation

Zunächst ist mit dem Begriff der Kooperation die allgemeine gesellschaftliche Beziehung gemeint, in der die Menschen bezüglich ihrer Arbeit aufeinander angewiesen sind. So können Produkte und Dienstleistungen nur durch die Zusammenarbeit mehrer Beteiligten entstehen. Als Grundprinzipien der Kooperation gelten die Arbeitsbündelung und die Arbeitsteilung. Jede Aufgabe, die durch einen Einzelnen nicht erfüllt werden kann, erfordert eine Arbeitsbündelung bei der die kooperierenden Personen gleichartige oder auch Beiträge mit unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen (z.B. die Durchführung einer Zirkusvorstellung). Jede Kooperation, bei der von den Beteiligten unterschiedliche Beiträge eingebracht werden, beruht auf Arbeitsteilung und damit auf Spezialisierung (Laux/Liermann 2003, S. 3f). Es gibt verschiedene Formen von Kooperation: Eine antagonistische Kooperation herrscht dann, wenn für zwei Seiten höhere Werte nur durch Kooperation erreicht werden können, obwohl ihr Verhältnis sonst durch Gegnerschaft geprägt ist. Von einer arbeitsteiligen Kooperation wird gesprochen, wenn in einer gesellschaftlichen Arbeit eine Vielzahl von Menschen zusammenarbeiten und dabei jeder einzelne von ihnen verschiedene Teile des Gesamtarbeitsgangs übernehmen. Im entwickelten Kapitalismus wird dieses Art der Kooperation der Teilarbeiter hauptsächlich durch die Maschinerie bestimmt. Als Grundform der kapitalistischen Produktion verstand Marx die einfache Kooperation. Nach diesem Verständnis wird eine bestimmte Ware von einer Veilzahl von Arbeitern gleichzeitig in einem großen Raum produziert, während sie unter der Leitung eines Kapitalisten stehen. Die Formen der Zusammenarbeit bestimmt durch die Maschinerie wird als gefügeartige Kooperation bezeichnet. Hier sind die Arbeiter nur noch über die Maschinen miteinander verbunden und voneinander abhängig. Im Gegensatz dazu werden durch teamartige Kooperation verschiedene Aufgaben in Gruppen bearbeitet; auf diesem Wege können sie sich untereinander helfen (Fuchs 1978, S. 427 f).


Konkurrenz

Allgemein versteht man unter Konkurrenz „ein rivalisierendes Streben bzw. ein Kampf von Individuen oder Systemen um ein gemeinsames knappes Zielobjekt“ ( Kerber 1991, S.293). In der Ökonomie existieren Konkurrenten, wenn ein Produkt durch zwei oder mehrere Verkäufer angeboten werden. Es handelt sich hier um ein Verhältnis, in dem rivalisierende Anbieter ihre Ziele realisieren wollen, wobei jedoch der Erfolg vom Erfolg des anderen beeinflusst wird. Reine oder vollständige Konkurrenz liegt vor, wenn eine Vielzahl von Verkäufern einer großen Menge von Käufern ein homogenes Produkt anbietet. In diesem Fall hat kein Verkäufer einen Einfluss auf den Preis des Produkts, da dieser von der gesellschaftlichen Nützlichkeit, also von der Nachfrage abhängt (Fuchs 1978, S.415). In der Realität sind die Bedingungen für eine vollständige Konkurrenz jedoch kaum gegeben. Die Preiskonkurrenz auf kapitalistischen Märkten wurde von monopolistischer Konkurrenz abgelöst. Darunter wird eine Situation verstanden, in der viele Verkäufer ein differenziertes Produkt offerieren. Erhöht in diesem Fall ein Verkäufer seinen Preis, so kann er davon ausgehen nicht alle seiner Käufer zu verlieren. Die Differenzierung zwischen vollkommener und unvollkommener Konkurrenz richtet sich nach der Art des Marktes, also ob ein vollkommener oder ein unvollkommener Markt vorliegt. Die freie Konkurrenz dient als Bezeichnung für die Konkurrenz auf Märkten, wobei es für Verkäufer und Käufer keine Zugangsbeschränkungen gibt.


Abgrenzung zu anderen Begriffen

Konkurrenz darf nicht gleichgesetzt werden mit dem Begriff des Konflikts. Dieser meint zwar einen Interessengegensatz und die daraus folgenden Auseinandersetzungen und Kämpfe zwischen Individuen, jedoch besteht ein Unterschied im angestrebten Ziel der Auseinandersetzung. Im Gegensatz zur Konkurrenz ist der Konflikt dadurch gekennzeichnet, dass die beteiligten Parteien durch Einsatz von Macht- und Einflussmitteln eine Niederlage des Gegners erreichen oder die eigene Niederlage verhindern wollen. In der soziologischen Konflikttheorie heißt Konflikt allgemein „jeder Kampf um Werte und um Anrecht auf mangelnden Status, auf Macht und Mittel. Die Parteien können sich im Kampf neutralisieren, verletzen oder ausschalten“ (Fuchs 1978, S.411).


Unterschied Kooperation – Konkurrenz

„Ein dem gesellschaftlichen Prinzip der Konkurrenz entgegengesetztes Mittel der Abstimmung von Produktion und Bedarf ist das der Kooperation“ (Kerber 1991, S. 293). In einer Kooperation arbeiten mehrere Menschen zusammen um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: sei es die Herstellung eines bestimmten Produktes oder die Bewältigung einer bestimmten Aufgabe. Durch kooperierendes Verhalten können die Schwächen der Einen durch die Stärken der Anderen ausgeglichen werden. In einer Konkurrenz hingegen wird vielmehr gegeneinander gearbeitet, so dass jeder versucht seinen größtmöglichen Nutzen herauszuarbeiten. Ein wesentlicher Unterschied besteht ebenfalls in der Tatsache, dass die Kooperierenden freiwillig zusammenarbeiten bzw. einer Organisation beitreten. Auf diesem Wege wollen sie ihre persönlichen Ziele, z.B. Einkommen, Prestige, Erfahrungen, besser erreichen können (Laux/Liermann 2003, S. 6). Eine Konkurrenz wird jedoch nicht freiwillig angestrebt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kooperation und Konkurrenz zwei gegensätzliche Pole darstellen jedoch trotzdem nahe beieinander liegen; denn der Schritt innerhalb einer Kooperation konkurrierendes Verhalten zu entwickeln ist sehr klein.


Kooperation und Konkurrenz aus der Perspektive soziologischer Theorieansätze

Emile Durkheim: Über soziale Arbeitsteilung


Emile Durkheim (1885-1917) hat sich unter anderem mit der sozialen Arbeitsteilung beschäftigt, in der diese Begrifflichkeiten aufgegriffen und eine zentrale Rolle spielen. Die wachsende Arbeitsteilung kennzeichnet die historische Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Der Ursprung dieses Prozesses ist nach Durkheim das Bevölkerungswachstum, welches das Volumen der Gesellschaft und ihre materielle Dichte zunehmen lässt. Dies bedeutet, dass immer mehr Menschen innerhalb eines Territoriums leben, wodurch zahlenmäßig ihre Wechselwirkungen und die Interdependenzen zwischen ihren Handlungen wachsen. Im Zuge der materiellen Dichte nimmt auch die dynamische oder moralische Dicht zu, d.h. immer mehr Menschen näher sich einander und beeinflussen sich gegenseitig (Münch 2002, S. 64). Wenn Umfang und Dichte steigen, so nimmt auch die Konkurrenz zwischen den Menschen um ihren lebensunterhalt zu. Wenn sich die Arbeit in immer mehr spezialisierte Arbeitsbereiche aufteilt, dann nicht aufgrund sich differenzierender Umstände, sonder weil es der Überlebenskampf erfordert. „ Es wäre ganz unmöglich, dass die gleiche Zahl von Individuen auf diesem Baum lebte, wenn alle von einer Art wären; wenn z.B. alle nur von der Rinde oder nur von den Blättern lebten“ (Darwin, Die Entstehung der Arten, Stuttgart 1967, S.161f, in Durkheim, E.: Über soziale Arbeitsteilung, Frankfurt 1992, S. 326). In einer Stadt können verschiedenste Berufe nebeneinander leben, ohne sich gegenseitig zu schädigen. Je mehr sich die Funktionen aber gegenseitig annähern, desto größer wird die Gefahr, dass sie sich gegenseitig bekämpfen. Es kann jedoch vorkommen, dass sich die ursprüngliche Funktion in zwei Funktionen gleicher Bedeutung teilt. Statt zu konkurrieren, finden dann zwei ähnliche Betriebe ihr Gleichgewicht, indem sie sich ihre gemeinsame Aufgabe teilen. Kurz gesagt: statt sich unterzuordnen, ordnet man sich bei. In jedem Fall tauchen aber immer neue Arten der Spezialisierung auf (Durkheim, E.: Über soziale Arbeitsteilung, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992, S. 325 ff). Arbeitsteilung ist folglich das Ergebnis des Lebenskampfes, jedoch in gemilderter Form. Dank Arbeitsteilung müssen sich Rivalen nicht gegenseitig beseitigen, sondern können nebeneinander existieren. Arbeitsteilung vereint jedoch auch, obgleich sie entgegensetzt. Es fließen die Tätigkeiten zusammen, die sie differenziert. So kann man sagen, dass die Arbeitsteilung diejenigen annähert, die sie trennt. Konkurrenz kann jedoch diese Annäherung nicht hervorgebracht haben. Daher muss sie schon vorher existiert haben. Die Individuen müssen also vorher miteinander solidarisch sein, d.h. ein und der selben Gesellschaft angehören. Dort wo das Gefühl der Solidarität jedoch zu schwach ist, um dem auseinanderstrebenden Einfluss der Konkurrenz zu widerstehen, wird eine andere Wirkung als Arbeitsteilung erzeugt: Ein Zurückziehen aus der Gesellschaft in andere Regionen, wenn das Leben aufgrund zu großer Dichte zu kompliziert wird. Daher kann Arbeitsteilung nur in einer schon existierenden Gesellschaft entstehen, d.h. dass zwischen den Menschen moralische Bande existieren müssen. Was die Menschen einander näher bringt, sind mechanische Ursachen und impulsive Kräfte, wie beispielsweise die Blutsverwandtschaft, die Bindung an die Heimat, die Gemeinschaft der Sitten, etc. Erst wenn sich eine Gruppe auf diesen Unterlagen gebildet hat, kann sich in ihr die Zusammenarbeit organisieren. Durkheim spricht also von einer mechanischen Solidarität, dem Solidaritätstypus, der hauptsächlich die Menschen in einfachen Stammesgesellschaften zusammenhält. Organische Solidarität wird dann wichtiger, wenn die Arbeitsteilung fortschreitet; sie herrscht in der modernen Gesellschaft vor (Münch 2002, S. 65). Individuelles Leben wird aus dem kollektiven Leben heraus geboren und trägt daher auch die Merkmale eines sozialen Milieus. Individualität bleibt damit der kollektiven Ordnung angepasst. Sie ist ein Organ bzw. ein Teil der Gesellschaft mit einer bestimmten Funktion, der sich vom Rest des Organismus nicht lösen kann, ohne in Todesgefahr zu geraten. Schlussfolgernd wird Kooperation nicht nur möglich, sondern sogar notwendig. Die Zusammenarbeit ist also primäre Tatsache des moralischen und sozialen Lebens (Durkheim, E.: Über soziale Arbeitsteilung, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992, S. 335-342).


Karl Marx: Entfremdung in der einfachen Warenproduktion


Im ursprünglichen Zustand der primitiven Gesellschaft lebten die Menschen im Einklang mit der Natur und in einer Einheit miteinander. Durch die Entwicklung der Technologie entstand die Arbeitsteilung und somit auch der Handel und der Austausch von Produkten. Marx spricht nun von einem „dreifachen Prozess der Entfremdung von der Natur, den Mitmenschen und der Arbeit“(Münch 2002, S. 117 ff). Bei Marx wird das Konkurrenzprinzip zur Erklärung von Prozessen der kapitalistischen Akkumulation herangezogen. Hier stehen die privaten Warenbesitzer untereinander in einem permanenten Kampf um den günstigsten Tausch der Waren. Um den Gewinn zu erhöhen, muss der einzelnen Unternehmer versuchen, seine Konkurrenten durch verbesserte Produktionsmethoden und Handlungsmöglichkeiten zu übertreffen. Durch die herrschende Konkurrenz und die damit verbundene Akkumulation und Realisierung des technischen Fortschritts wird das Wachstum der Unternehmen und der Gesamtwirtschaft bestimmt (Kerber 1991, S. 295 f).


Georg Simmel: Formale Soziologie


Neben Durkheim tauchen auch bei Georg Simmel (1858-1918) die Begriffe der Konkurrenz und der Kooperation auf. Seine Philosophie des Geldes dient als Musterbeispiel der von ihm begründeten „formalen Soziologie“. Letztere ist die Wissenschaft von Formen der Vergesellschaftung und den Beziehungsformen der Menschen untereinander. Als treibende Kraft der historischen Entwicklung vom Raub über Tausch zum Kauf relativiert das Geld die „Menschheitstragödie der Konkurrenz“. Kauf und Verkauf dient den Interessen beider Beteiligten (Osterdiekhoff, G.W. (Hrsg.): Lexikon der soziologischen Werke, Wiesbaden 2001: Westdeutscher Verlag 2001, S. 619f). Wo reale Interessen, kooperierend und kollidierend, die Sozialform bestimmen, soll das Individuum seine Einzigartigkeit nicht allzu unbeschränkt in der Gesellschaft präsentieren. Simmel spricht von einem „Gesellschaftsspiel“: Alle Wechselwirkungs- und Vergesellschaftungsformen zwischen den Menschen sind das Übertreffen- wollen und der Tausch oder der Wechsel zwischen Gegnerschaft und Kooperation. All das führt im Spiel zu einem allein getragenen Leben, d.h. es wird „Gesellschaft gespielt“ (Simmel, G.: Gesamtausgabe 16, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1999, S. 113f).


Literatur

  • Durkheim, E.: Über soziale Arbeitsteilung, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1992.
  • Kerber, H.; Schmieder, A. (Hrsg.): Handbuch Soziologie. Zur Theorie und Praxis sozialer Beziehungen. Hamburg: rowohlts enzyklopädie 1991.
  • Laux H./Liermann F.: Grundlagen der Organisation – Die Steuerung von Entscheidungen als Grundproblem der Betriebswirtschatlehre. 5.Auflage. Berlin: Springer 2003
  • Münch, R.: Soziologische Theorie. Band 1: Grundlegung durch die Klassiker. Frankfurt/Main: Campus Verlag 2002
  • Osterdiekhoff, G.W. (Hrsg.): Lexikon der soziologischen Werke, Wiesbaden 2001: Westdeutscher Verlag 2001.
  • Simmel, G.: Gesamtausgabe 16, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1999.
  • Werner, F.; Klima, R.; Lautmann, R.; Rammstedt, O.; Wienhold, H.: Lexikon der Soziologie. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Braunschweig: Westdeutscher Verlag 1978
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