Markt
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Der Begriff Markt
Inhaltsverzeichnis
1 Historischer Markbegriff
2 Der Marktbgriff heute
3 Wirtschaftlicher Marktbegriff
4 Soziologischer Marktbegriff
5 Quellen
Historischer Marktbegriff
Der Begriff Markt kommt aus dem Lateinischen, mercatus und bedeutet Handel. Die ersten Märkte in Europa existierten bereits bei den Kelten. Seit dem Mittelalter wurde durch die Vergabe des Markrechtes eine regelmäßig stattfindende Verkaufsveranstaltung auf Marktplätzen oder Markthallen innerhalb eines Stadtgebietes eingeführt. Verkauft wurden Grundnahrungsmittel wie Obst und Gemüse sowie spezielle Warengruppen des täglichen Bedarfs. Die gehandelten Waren wurden gegen wertgleiche Gegenstände oder Münzen getauscht. Solche Tauschaktionen nennt man heute Transaktionen. Märkte, die regelmäßig stattgefunden haben, bildeten zur damaligen Zeit den Mittelpunkt des sozialen städtischen Lebens bei dem unter anderem ein hervorragender Austausch von Informationen, Waren- und Sachgütern sowie Dienstleistungen stattgefunden hat. Darüber hinaus waren die abgehaltenen Märkte durch Besteuerungen eine lohnende Einnahmequelle für die Stadtherren. Heute lässt sich insbesondere oftmals am Gemeindenamen erkennen ob irgendwann einmal das Marktrecht offiziell verliehen wurde.
Der Marktbegriff heute
Im Laufe der Zeit hat sich der Marktbegriff ausgeweitet. Heute bezieht sich der Begriff Markt auf die jeweilige Verkaufsform sowie auf die unterschiedlichen Organisationsstrukturen und Funktionen. Dabei stehen sich Käufer und Verkäufer gegenüber. Der ursprüngliche Marktbegriff, d. h. die Form einer offenen Verkaufsveranstaltung wie der Wochen, -Jahres, Floh-, Bauern-, Weihnachts- aber auch Groß- und Supermarkt bildet heute den im sprachlichem Gebrauch verwendeten Begriff Markt. Für Dienstleistungen und Rechte existiert ein separater Dienstleistungsmarkt, der sich erneut in verschiedene Sektoren und Sparten unterteilt. Diese Güter werden unter anderem bei Börsen in Form von Aktien, Kuxe, Obligationen sowie Versicherungen angeboten. Durch das Aufkommen neuer Medien entwickeln sich unter anderem auch Online-Marktplätze. Auch der Schwarzmarkt, auf dem z. B. Drogen gehandelt werden, hat in unsere Gesellschaft eine wesentliche Rolle eingenommen.
Wirtschaftlicher Marktbegriff
In der Wirtschaft wird im allgemeinen der Begriff Markt durch die Nachfrage und das Angebot eines bestimmten Gutes in der realen oder virtuellen Welt charakterisiert. Dabei entsteht bei einem Angebotsüberschuss ein Käufermarkt und bei einem Nachfrageüberschuss ein Verkäufermarkt. Wenn beides sich einpendelt, entspricht dies einem Marktgleichgewicht. Mit der daraus entstandenen Vielfalt der Märkte wurde zugleich ein eigenes Forschungsgebiet, die Marktforschung, etabliert. Diese untersucht in jeder Hinsicht die Ökonomie der Märkte. Einerseits beschäftigt sich die Marktforschung mit dem Begriff des Handelns, bei dem sich der Preis durch Angebot und Nachfrage selbst reguliert. Andererseits wird der Markt auch als komplexer Mechanismus angesehen, der nur durch Modelle vereinfacht dargestellt werden kann. Daher unterteilt die Volkswirtschaftslehre den Marktbegriff in zwei separate Märkte, in den Faktormarkt und in den Gütermarkt. Zu den Faktormärkten zählen beispielsweise der Arbeitsmarkt, Immobilien sowie der Kapital- und Geldmarkt, die zum Teilgebiet der Makroökonomie zählen. Die Konsumgüter- und Investitionsgütermärkte zählen zu den Gütermärkten und werden durch die Mikroökonomie beschrieben. Um den wirtschaftlichen Markt besser zu verstehen werden unter anderem auch die Verkäufer und Käufer genauer beobachtet und ihr Verhalten analysiert, da diese erheblichen Ein-fluss auf das Marktgeschehen haben. Die Wirtschaftwissenschaften versuchen das menschliche Verhalten diesbezüglich in verschiedenen Theorie wie die des homo oeconomicus und der Spieltheorie modellhaft darzustellen. Dabei wird deutlich das je nach Marktform der einzelne Akteur erheblichen Einfluss auf das Marktgeschehen bzw. die Preisentwicklung hat. Heute unterscheiden wir zwischen drei Markt-formen. Bei der Marktform eines Monopols ist nur ein Anbieter auf dem Markt vorhanden. Ähnlich sieht es beim Oligopol aus, bei dem es mehrere Anbieter auf dem Markt gibt, jedoch die Anzahl noch nicht ausreicht um einen ausgewogenen Wettbewerb hervor zu rufen. Hier-bei kann beispielhaft der Mineralölmarkt genannt werden. Liegt die Marktform des Polypol vor, befinden sich viele Anbieter auf dem Markt, so dass sich ein Marktgleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einstellen kann bzw. Wettbewerb stattfindet. Da alle Marktteilnehmer einen möglichst großen Nutzen aus dem Marktgeschehen ziehen wollen üben Verkäufer und Käufer stets einen hohen Druck aufeinander aus. So suchen Verkäufer beispielsweise stets nach neuen Marktlücken um gleichzeitig durch neue Produkte neue Käufer zu binden um den eigenen Gewinn zu steigern. Mit diesem Verhalten kommt dem Markt insgesamt eine Verteilungs-, Preisbildungs-, Koordinations- und Versor-gungsfunktion zu. Sind diese Funktionen gleichmäßig gewichtet, so pendelt sich eine ausge-wogene Marktwirtschaft ein welche durch einen staatlichen Ordnungsrahmen als soziale Marktwirtschaft bezeichnet werden kann. Gerät das Verhalten der einzelnen Marktteilnehmer jedoch aus dem Gleichgewicht, so kann es beispielsweise zu einer weltweiten Wirtschaftskrise kommen, die sich auf alle Marktteilnehmer direkt oder indirekt auswirkt.
Soziologischer Marktbegriff
Unter dem soziologischen Markbegriff versteht man das gesellschaftliche Handeln als allgemeines Muster des Marktes. Hier wird nicht der Austausch von Gütern in Form von Waren behandelt sondern der Austausch sozialer Interaktionen. Die Soziologie untersucht seit jüngerer Zeit im Vergleich zu den Wirtschaftswissenschaften, die eine modellhafte Vorstellung des Marktes bevorzugen, die Funktionsweise von realen Märkten. Dabei wird die Produktionskette als ganzes bzw. das Verhalten einer am Marktgesche-hen beteiligten Akteursgruppe untersucht. Die Akteursgruppen können Produzenten, Konsu-menten, Handel, Politik und Medien sein. Bei den Untersuchungen werden typische Fragen gestellt: Wie entstehen Märkte? Wie verhalten sich einzelne Marktakteure im gegenseitigen Kontext und welche Eigenschaften haben spezifische Märkte wie Konsum-, Dienstleistungs-, Finanz- oder Heiratsmärkte? Grundvoraussetzung für die Entstehung von Märkten ist nach Emil Dürkheim die Einhaltung bestimmter normativer Regeln der einzelnen Marktakteure. Dies umfasst, dass jeder einzelne Akteur bereit ist Abmachungen bzw. Verträge ordnungsgemäß einzuhalten. Falls diese Vereinbarung von Einzelnen nicht gewährleistet wird, kann durch äußere Zwänge, wie heute durch das Rechtssystem, die Einhaltung gesichert werden. Nach der Auffassung Polanyis ist der Markt bzw. das wirtschaftliche Handeln institutionell eingebettet. Demnach müssen die Akteure eine Reihe von Vorausleistungen erbringen um auf den Markt zurück zu greifen. Die ersten Soziologen befassten sich dem Begriff des Markt bereits während den Anfängen des Kapitalismus. Demnach probierten sie die Frage, wie sich der Kapitalismus gegenüber anderen Wirtschaftsformen durchsetzen kann mit Modellen zu beantworten. Die vollständigen Erklärungen sind bis heute noch nicht abgeschlossen. Geprägt haben den soziologischen Begriff Markt insbesondere Ferdinad Tönnies mit seiner Entgegensetzung von Gemeinschaft und Gesellschaft sowie Max Weber mit der Ausprägung sozialer Sanktionen. Aber auch Ralf Dahrendorf hat analog zu dem Modell der Wirtschaftswissenschaften des homo oeconomicus für seine Rollentheorie den Begriff Homo sociologicus geprägt und damit einen entscheidenden Beitrag geleistet. Somit analysiert die Soziologie die Wechselbeziehung zwischen Markt und Gesellschaft und entwickelt soziologische Markttheorien als Kritik gegenüber den Abstrakten Modellen der Volkswirtschaft um den Begriff Markt besser zu erklären.
Quellen
- Baur, Nina, 2008: Handbuch Soziologie. Wiesbaden.
- Fuchs-Heinritz, Werner 2007: Lexikon zur Soziologie. Wiesbaden.
- Mussel, Gerhard, 2000: Basis-Know-how Volkswirtschaft. Frankfurt am Main.
- Swedberg, Richard, 1994: Markets as Social Structures. The Handbook of Economic Sociology. Princeton University Press.
