Organisation als Institution
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Definition
„Organisationen sind Institutionen der Gesellschaft, insofern sie Normativität (Regeln, Leitcodierung) repräsentieren.“ (Wieland, 2000: 66)
Institutionenökonomische Ansätze
Die Ansätze der neuen Institutionenökonomik führen auf eine Variante des „homo oeconomicus“ zurück, die nicht mehr universelle Informiertheit und Voraussicht verlangt, sondern unvollkommene Information und begrenzte Rationalität. Bedacht wird hierbei auch, dass die Beschaffung von Informationen oft mühselig und zudem mit hohen Kosten verbunden ist, indem man ein „eigenständiges Nutzen-Kosten-Kalkül“ in die Analyse einbezieht.
Als Theorien, die im Rahmen der institutionenökonomischen Ansätze entstanden sind, wären unter anderem der Transaktionskostenansatz, die Agency-Theorie und der „Proberty-rights-Ansatz“ zu nennen. Die Agency-Theorie beschäftigt sich mit einer Organisationstheorie die von unten, also von den involvierten Akteuren ausgehend, aufgebaut ist.
Agency-Theorie
An der Konzeption und Ausgestaltung der Agency-Theorie hat eine Vielzahl von Autoren mitgewirkt. Innerhalb der Theorie lassen sich zwei Richtungen ausmachen.Die positivistische und die modelltheorethisch- normative. Während erstere deskriptiv- empirisch ausgerichtet ist, beschäftigt sich die andere Variante mit der Ausarbeitung formaler Modelle.
Ausgangspunkt der Agency-Theorie
Grundlage der Agency-Theorie ist jedoch immer die dyadische Beziehung zwischen dem „Prinzipal“ und dem „Agenten“. Da die Entschlossenheit zur Kooperation meist vom Prinzipal ausgeht, liegt der zentrale Anhaltspunkt der Theorie auf der Handlungsperspektive des Prinzipals. Der Prinzipal möchte, dass der Agent bestimmte Aufgaben für ihn erledigt. Damit diese Aufgaben in seinem Interessen ausgeführt werden können, stellt er dem Agenten die dafür nötigen Ressourcen zur Verfügung, räumt ihm gewisse Entscheidungskompetenzen ein und versichert ihm eine Belohnung bei zufriedenstellender Ausführung. Beide Akteure haben ein beiderseitiges Interesse an einer Zusammenarbeit. Allerdings existiert eine „Interessendivergenz“, denn der Prinzipal möchte eine Ausführung der Aufgaben bei möglicht geringer Bezahlung des Agenten. Der Agent hingegen möchte eine hohe Anerkennung für möglichst geringfügigen Arbeitsaufwand. Hinzu kommt, dass er die ihm zur Verfügung gestellten Ressourcen zu seinen Gunsten verwenden möchte. Beispiele für solche „Prinzipal-Agenten-Beziehungen“ können zwischen Managern und Eigentümern einer großen Aktiengesellschaft oder zwischen dem Arzt und seinem Patienten stattfinden. So sind Organisationen aus der Sicht der Agency-Theorie ein Gefüge von Prinzipal-Agenten-Beziehungen (Preisendörfer, 2008: 107).
Schwächen der Agentur-Problematik
Die Schwächen der „Agentur-Problematik“ lassen sich anhand zweier Phänomene beschreiben, nämlich „moral hazard“ und „adverse selection“. Unter „moral hazard“ versteht man das Phänomen, wenn Menschen zum Beispiel eine Versicherung abgeschlossen haben, sich nachgiebiger und unvernünftiger verhalten, und somit die Versicherung mit höheren Ansprüchen konfrontiert wird. Bei „adverse selection“ führen negative Umstände dazu, überhaupt eine Versicherung abzuschließen, wie etwa ein Umzug in eine „kriminellere Gegend“. Dies führt wiederum dazu, dass die Versicherung höherern Ansprüchen gerecht werden muss.
Die Hauptproblematik beider Phänomene ist, dass eine ungleichmäßige Verteilung der „Informationssituation“ besteht. Denn der Agent ist dem Prinzipal in seinem Wissen überlegen. Zudem geht man davon aus, dass der Agent zu seinem größten Nutzen handelt und somit wichtige Informationen verheimlicht oder veruntreut („ hidden information“) und über bereits getätigte Handlungen oder über beabsichtigtes Verhalten keine treffende Auskunft gibt („hidden action“).
Um diesem Fehlverhalten entgegenzuwirken gibt es im Fall von Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen vier mögliche Mittel zur Disziplinierung der Agenten. Zum einen die direkte Verhaltenskontrolle. Zum anderen die ergebnisabhängige Belohnung, die jedoch das Problem mit sich bringt, dass die geleistete Arbeit von beiden Seiten unterschiedlich interpretiert werden kann. Die Kautionsregelung sowie die Verbesserung des Informationssystems sind andere Alternativen zur Disziplinierung der Agenten.
Der Organisationssoziologische Neo-Institutionalismus
Die Wurzeln des Neo-Institutionalismus liegen in den klassischen Ansätzen der Soziologie. Schon Emile Durkheim erfasste die Soziologie „als Wissenschaft von den Institutionen“.(Abels, 2007: 143) „Zentrale Kritik richtet sich gegen eine Konzeption der Organisation als korporativen Akteur, dem ein im Prinzip durchgängig zweckrationales Handeln im Sinne des Organisationszieles unterstellt wird“ (Senge; Hellmann, 2006: ) Sowie das Misstrauen gegenüber den homo oeconomicus Ansätzen und rational system view Ansätzen. Daher kann der Neo-Institutionalismus als Gegenströmung zu den bereits beschriebenen institutionenökonomischen Ansätzen verstanden werden.
Der Neo-Institutionalismus durchleuchtet die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Beweggründe zur Bewältigung kennzeichnender und verbindlicher Institutionen. Er untersucht Motive und Auswirkungen von Institutionen und sieht diese als Mittelpunkt gesellschaftlicher Systeme. „Im Mittelpunkt der Forschung stehen nicht nur historische und komparative Analysen ganzer gesellschaftlicher Systeme, sondern auch bürokratische Strukturen und Unternehmenstypen.“(Hillmann, 2007: 615) Institutionen spielen eine zentrale Rolle, da sie unter anderem normative Vorgaben, eingespielte Praktiken, formelle und informelle Regelsysteme, sowie kulturelle Standards als Erklärungsvariable zur Verfügung stellen (Preisendörfer, 2008: 145)
Effizienz ist nur eine Eigenschaft, um den Erfolg in Organisationen zu garantieren. Vielmehr ist das Streben nach Legitimation das erfolgsbringende Kriterium in Organisationen, also die Strukturangleichung („Isomorphie“)Sie entsteht durch Zwang, Imitation und dem normativen Druck.
Quellenangaben:
- Kostanze, Senge; Kai-Uwe Hellmann. 2006. Einführung in den Neo-Institutionalismus. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
- Preisendörfer, Peter. 2008. Organisationssoziologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
- Hillmann, Karl- Heinz. 2007. Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag.
- Wieland, Joseph. 2000. "Die neue Organisationsökonomik. Entwicklung und Probleme der Theoriebildung."In: Ortmann, Günther, Jörg Sydow und klaus Türk (Hg.) Theorien der Organisation. Die Rückkehr der Gesellschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag. S.35-66.
- Abels, Heinz. 2007. Einführung in die Soziologie Band I: Der Blick auf die Gesellschaft. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
- Pirker, Reinhard. 2000. "Die Unternehmung als soziale Institution. Eine Kritik der Transaktionskostenerklärung der Firma."In: Ortmann, Günther, Jörg Sydow und Klaus Türk (Hg.) Theorien der Organisation. Die Rückkehr der Gesellschaft. Opladen: Westdeutscher Verlag. S. 67-80.
