Professionelles Handeln
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Begriffsbestimmung – Zwei Herangehensweisen
Die Begriffsbestimmung von professionellem Handeln kann man von zwei Seiten beginnen. Die erste Möglichkeit ist die Bestimmung von der handelnden Person aus, was bedeutet, dass alles, was ein Professioneller tut, professionelles Handeln ist. Die zweite Möglichkeit ist die Begriffsbestimmung von der Art und Weise aus, wie etwas getan wird und betrifft die Qualität des Handelns (Pfadenhauer 2005, 9).
Die handelnde Person
Die Begriffsbestimmung von Seiten der handelnden Person betrachtet, ergibt die Frage, was einen Professionellen ausmacht. Als Professionelle bezeichnet man in der Organisationssoziologie Angehörige von Professionen. Der ausgeübte Beruf unterscheidet sich anhand bestimmter Merkmale von anderen Berufen. Um einen professionellen Beruf von einem nicht-professionalisierten zu unterscheiden, betrachtet man Merkmale wie Autonomie versus Eingebundenheit, Kollektivitätsorientierung versus Selbstbezug und Eigenkontrolle versus Selbstbestimmtheit (Bollinger/Hohl 1981). Durch die intensive Auseinandersetzung der Angehörigen professionalisierter Berufe mit ihrer Arbeit, sind sie nachhaltiger mit ihrem Beruf verknüpft und entsprechend durch ihn geprägt. Außerdem verfügt der Professionelle über ein Expertenwissen, das über technisches und instrumentelles Spezialwissen hinausgeht, da er einen Überblick über das auf diesem Gebiet gesamt gewusste Wissen hat und Zusammenhänge erkennt. Das betrifft jenen Teil des gesellschaftlichen Wissensvorrat, der nicht allgemein zugänglich ist, sondern nur an Träger bestimmter Rollen weitergegeben wird (Pfadenhauer 2005, 13). Expertenwissen als bestimmter Typ von Sonderwissen ist nötig, um Ursachen von Problemen und Prinzipien von Problemlösung auf den Grund zu gehen, was für den Professionellen bedeutet, ein umfassendes Wissen über Problemlösung, Erkenntnis, Begründung, über Problemursachen und Lösungsprinzipien zu besitzen.
Die Art und Weise des Handelns
Die Begriffsbestimmung von Seiten der Art und Weise aus, wie etwas getan wird, betrifft die Qualität des Handelns. Demnach äußert sich professionelles Handeln im gekonnten Umgang mit einem Problem. Die gestellte Aufgabe wird fachmännisch erledigt. Dabei sind die Bewertungsmaßstäbe interne Kriterien der Organisation. Ein Handeln wird als professionell angesehen, wenn der Akteur nach außen hin glaubhaft macht, dass er sich entsprechend den formellen und informellen Standards verhält (Pfadenhauer 2005, 11). Dies wird vor allem in der Zusammenarbeit mit dem Klienten bedeutsam.
Wissen als Basis des professionellen Handelns
Professionelles Handeln entsteht nicht alleine aus dem Expertenwissen des Professionellen. Um das angeeignete theoretische Wissen in eine Handlung umzusetzen benötigt der Professionsinhaber eine Form von Arbeitswissen oder praktischem Wissen, das ihm ermöglicht situationsangemessen und fachlich korrekt zu agieren (Freidson 2001, 30f.). Dabei greift der Handelnde auf seine eigene Erfahrung zurück, sowohl mit den auf die Arbeit bezogenen, oft abstrakten Wissensbeständen, als auch mit den allgemeinen Fähigkeiten, aus der Alltagswelt. Die Mischung aus Alltagswissen und theoretischen Expertenwissen ermöglicht dem Professionellen seine Fähigkeiten praktisch geschickt umzusetzen und somit professionell zu handeln (ebd.).
Vertrauen als Grundlage des professionellen Handelns
Das Verhältnis zwischen dem Professionellen und dem Klienten ist zum einen durch ein Kompetenzgefälle geprägt. Der Klient ist auf die professionelle Behandlung angewiesen, da er nicht über das gleiche Wissen wie der Professionsinhaber verfügt. Deshalb nimmt er die Hilfeleistung des Professionellen in Anspruch. Zum anderen ist das professionelle Handeln für den Klienten unberechenbar, hat ungewissen Ausgang und der Professionelle greift in persönliche Bereiche des Klienten ein und erfährt Vertrautes. Dies erfordert ein Vertrauensverhältnis zwischen Professionellem und Klienten. Die Grundlage dieses Vertrauensverhältnisses liefert die Organisation. Klientenvertrauen ist immer ein unpersönliches Vertrauen, da es nicht um die Persönlichkeit des Inhabers der entsprechenden professionellen Berufsgruppe geht, sondern um den funktionellen Wissensbereich des Professionellen (Di Luzio 2005, 75). Der Klient geht von Kompetenzen aus, die er auf Ausbildung, Wissenschaftlichkeit und die Gesamtheit der Institution zurückführen kann. Also liegt das Vertrauen in der Institution der Profession. Weiterhin besteht das Vertrauensverhältnis durch die Annahme, dass Profession einen Sonderstatus durch das gesellschaftliche Wissensmonopol innehat (Di Luzio 2005, 77). Die Kompetenzen, fachliche Autorität und Einhaltung bestimmter (ethischer) Standarts stehen nun wieder unter Kontrolle der jeweiligen Institution (ebd.). Dennoch muss der Professionelle sich in der Klientenbeziehung selbst als vertrauenswürdig darstellen, um die letzte Grundlage für ein Vertrauensverhältnis herzustellen und professionelles Handeln gegenüber dem Klienten möglich zu machen.
Literatur
- Bollinger, H. / Hohl, J. (1981): Auf dem Weg von der Profession zum Beruf. Zur Deprofessionalisierung des Ärzte-Standes. In: Pfadenhauer, M. (2005): Professionelles Handeln. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden
- Di Luzio, G. (2005):Professionalismus - eine Frage des Vertrauens?. In: Pfadenhauer, M. (2005): Professionelles Handeln. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden
- Freidson, E. (2001): Professionalism. The third logic. The University of Chicago Press. Chicago.
- Pfadenhauer, M. (2005): Professionelles Handeln. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden
