Räume, virtuelle und reale

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Der reale Raum

Die erste Vorstellung eines Raumes ist meist die eines Zimmers. Es ist die äußere, sich in drei Dimensionen (Länge, Breite, Höhe) darstellende Form der sinnlich erfahrbaren Wirklichkeit; eine begrenzte, in sich geschlossene Einheit, in der sich verschiedene Objekte befinden können, wie z. B. Stühle, Tische oder sonstige Alltagsgegenstände. Demnach ist ein Raum eine begrenzte Umgebung, in der Objekte angeordnet werden können. In unserem realen Raum handelt es sich jedoch um Objekte, die aus einer Materie bestehen, eine Masse haben und freien Platz in dem Raum füllen. Für unser Verständnis würde das bedeuten, dass jeder Raum irgendwann voll ist, wenn man ausreichend Objekte in ihn hineingestellt hat.


Der virtuelle Raum

Wie kann man sich nun einen virtuellen Raum vorstellen? Aufgrund seiner Eigenschaft als elektronisches Medium besteht er zunächst aus elektrischen Impulsen, die von Computern, zu dem verarbeitet werden, was wir sehen können. Diese Verarbeitung findet auf verschiedene Arten und Weisen statt – so ist es möglich, Bilder, Texte oder dreidimensionale Welten im virtuellen Raum zu konstruieren und zu veröffentlichen.

Im Gegensatz zum realen Raum hat der virtuelle Raum allerdings keine wirkliche Grenze. Die einzigen, materiellen, Grenzen, die auch die Möglichkeiten des Cyberspace limitieren, bestehen in Speicherkapazität der angeschlossenen Computer. Da diese allerdings immer weiter zunehmen, kann von einer wirklichen, absoluten Begrenzung in Bezug auf die Rechenleistung nicht gesprochen werden.

Anstatt von Objekten, die ihren Platz im realen Raum einnehmen, haben wir es im virtuellen Raum mit Dateien zu tun. Diese haben ebenfalls eine bestimmte Größe – allerdings wird diese nicht in Masse gerechnet, wie es für den realen Raum der Fall wäre, sondern in Byte.

Die Anwedungen im virtuellen Raum sind nahezu unbegrentzt; einige Beispiele hierfür sind Chat-Räume, virtuelle Klassenzimmer, virtuelle Spielfelder und themenspezifische Plattformen wie Homebanking, Einkaufsbörsen und Selbsthilfegruppen.


Verbindung zum Cyberspace

Der Cyberspace besteht aus verschiedensten virtuellen Räumen; der Begriff Cyberspace wurde vom US-amerikanischen Science-Fiction-Autor William Gibson in dem Roman Neuromancer (1984) geprägt. Gibson beschreibt den Cyberspace als konsensuelle Halluzination eines computergenerierten grafischen Raums.

Wir werden überall und jederzeit vom virtuellen Raum umgeben. In der Tat geschieht alles was wir an einem Computer machen, in virtuellen Räumen. Schreiben wir einen Text, so geschieht dies über ein Textverarbeitungsprogramm – das virtuelle Äquivalent zur Schreibmaschine. Schreiben wir eine E-Mail, so verwenden wir verschiedene Datenübertragungsprotokolle, mit denen unsere Nachricht sicher zum Empfänger geleitet wird – eine Aufgabe, die in der realen Welt der Brief und der Postbote übernehmen würden. Und an die Stelle der CD ist nun die MP3-Datei gerückt – auch unsere Lieblingsmusik nimmt also Platz im virtuellen Raum ein.


Räumliche Ausdehnung

Jeder Raum hat eine Ausdehnung. Dies trifft auch auf den virtuellen Raum zu, nur, dass diese Ausdehnung völlig anders ist, als die des realen Raums. Da es sich eher um einen „gedachten“ Raum handelt, der sich über verschiedene Server erstreckt, die auf der ganzen Welt verteilt sind, bezieht sich diese Ausdehnung vielmehr auf Landesgrenzen.

Bei dem virtuellen Raum handelt es sich um einen Raum, der lediglich in der Fantasie des Nutzers existiert. Real existiert er in Form von Speichermedien und elektrischen Impulsen, welche allerdings von niemandem wahrgenommen werden können. Man benötigt also die Fantasie, um aus dem, was Computer ermöglichen, Bilder zu schaffen, Texte zu erzeugen und mit diesen dann den Raum zu füllen. 3D-Simulationen, Internetseiten oder Computerspiele basieren auf dem Design und der Fantasie ihrer Programmierer, Texte auf den Gedanken ihrer Verfasser.

Somit entstehen nicht nur Objekte im virtuellen Raum; sondern es können ganze Welten erzeugt werden, in denen wir zu virtualisierten Weltbürger werden. Seit der Erfindung des World Wide Web sind viele virtuelle Kommunikationsstrukturen entstanden, die parallel zu und in Verbindung mit den realen Netzen der Lebenswelt existieren und somit zu einem Bestandteil der Lebenswirklichkeit werden.


Quellen

  • Von Kardorff, Ernst. 2008. "Virtuelle Netzwerke - neue Formen der Kommunikation und Vergesellschaftung?" In: Herbert Willems (Hg.). 2008. Weltweite Welten. Internet-Figurationen aus wissenssoziologischer Perspektive. Wiesbaden: VS-Verlag. S. 23-56.
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