Transaktionskostentheorie
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Die Transaktionskostentheorie
Neben zahlreichen anderen Theorien versucht auch der Transaktionskostenansatz den Begriff der „Organisationen“ zu erklären. Die Theorie kommt aus dem Bereich der neueren Insitutionenökonomik und hat seinen Ursprung in dem Aufsatz „The Nature of the Firm“ von Ronald Coase im Jahre 1937. [Preisendörfer,2008]
Grundannahmen
Bei Transaktionen handelt es sich allgemein um Austauschprozesse, die auf wirtschaftlichem und sozialem Handeln basieren. Grundvoraussetzung sind hierfür mindestens 2 Akteure, die in einem bestimmten „Setting“ handeln. Das Verhalten eines Akteurs beruht hierbei auf dem „Akteurmodell“ [Preisendörfer,2008]. Dies bedeutet, dass der Akteur sich bei der Transaktion zum einen nur bedingt rational verhält und zum anderen unter Umständen opportunistisch handelt.[Kieser,1999;S.226] Bei den Settings bzw. Institutionellen Arrangements handelt es sich um den „Rahmen“ innerhalb dem die Transaktionen von Gütern und Dienstleistungen, mit dem Preis als Steuerungsmechanismus, stattfinden. Der Transaktionskostenansatz will nun erklären, warum bestimmte Transaktionen in bestimmten institutionellen Arrangements mehr oder weniger effizient abgewickelt werden und organisiert werden.
Modell der Transaktionskostentheorie
Im Allgemeinen geht das Transaktionskostenmodell davon aus, dass die Wahl des institutionellen Arrangements von den Transaktionskosten abhängt, welche wiederum auf den Transaktionsschwierigkeiten beruhen.
[Preisendörfer,2008]
Transaktionskosten
Die Transaktionskosten entstehen bei der Abwicklung und Organisation eines Austausches und werden in dem Modell in 2 Bereiche unterteilt:
1.ex-ante Transaktionskosten
= Kosten bis hin zum Vertragsabschluss
= Kosten der Informationsbeschaffung, Kosten im Bezug auf den Verhandlungsprozess, Kosten des Vertragsabschlusses etc.
2.ex-post Transaktionskosten
= Kosten, die nach dem Vertragsabschluss anfallen (können)
= Kosten der Überwachung der vertraglichen Vereinbarungen, Kosten zur Lösung von unklaren Punkten und Streitigkeiten etc.
Allgemein kann man sagen, dass die Transaktionskosten neben dem Kaufpreis eine sehr wichtige Rolle für die Wahl des institutionellen Arrangements spielen, jedoch schlecht messbar sind.
Die Transaktionsschwierigkeiten
[Kieser,1999;S.228-230]
Die Transaktionsschwierigkeiten sind in 3 Punkte untergliedert:
1.Transaktionsspezifische Investitionen
= Vorleistungen, die die Transaktionspartner erbringen müssen, um überhaupt in eine Austauschbeziehung eintreten zu können, und die nur in der jeweiligen Beziehung von Nutzen sind (transaktionsspezifisch)
Bsp.: Anschaffung von Maschinen, die nur für die Herstellung eines spezifischen Produkts eingesetzt werden können
- lock-in Effekt: geschwächte Verhandlungs- und Machtposition (wer viel in eine Beziehung investiert kommt nur schwer und mit hohen Kosten wieder aus dieser Beziehung heraus)
- Erhöhung der ex-ante Transaktionskosten
2.Unsicherheit/Komplexität
= mit der Transaktion verbundene Unsicherheit (im Bezug auf den Tauschpartner/die Stabilität der Rahmenbedingungen etc.) und Komplexität des Tauschgegenstandes
- je höher die Unsicherheit/die Komplexität, desto größer die Ausgaben für die ex-ante Transaktionskosten
3.Transaktionshäufigkeit
- mit zunehmender Anzahl identischer Transaktionen besteht die Möglichkeit zur Realisierung von (Fix-)Kostendegressions-, Skalen- und Synergieeffekten - geringere Produktions- und Transaktionskosten
[Kieser,1999;S.230]
Institutionelle Arrangements
[Kieser,1999;S.231-234]
Bei der Transaktionstheorie werden die verschiedenen Institutionellen Arrangements durch eine vertragstheoretische Basis differenziert:
1. Klassische Vertragsbeziehungen
- kurze Dauer, präzise Bestimmung des Gegenstandes und der Konditionen der Transaktion, begrenzte persönliche Interaktion
- Setting: Markt (einfacher Kaufvertrag)
2. Neoklassische Vertragsbeziehungen - Anpassungs- und Sicherungsklauseln, Institutionalisierung privatrechtlicher Konfliktregelungsmechanismen
- auch nach Vertragsabschluss sind Entscheidungen, Abstimmungen und Kooperationen der Transaktionspartner nötig
- Setting: Hybridformen ( langfristige Lieferverträge, Franchising- oder Joint Venture Verträge)
3. Relationale Vertragsbeziehungen
- endgültige Auflösung des diskreten Charakters der Transaktion
- komplexe Sozialbeziehung zwischen den Transaktionspartnern
- Setting: Organisation (unbefristete Beschäftigungsverhältnisse, Partnerschaften)
Die institutionellen Arrangements unterscheiden sich in bezug auf die Kosten, die in ihnen jeweils für die Abwicklung von Transaktionen entstehen.
Hauptaussagen der Transaktionskostentheorie
- Wenn Transaktionen weder mit besonderer Unsicherheit oder transaktionsspezifischen Investitionen verbunden sind, stellt der Markt das vorteilhafteste institutionelle Arrangement dar (starke Anreizintensität, Wirksamkeit des Konkurrenzmechanismus, kostengünstige autonome Anpassungsprozesse)
- mit zunehmenden Ausmaß transaktionsspezifischer Investitionen werden die Transaktionspartner immer abhängiger voneinander, so dass der neoklassischer Vertrag am effizientesten ist (im Vergleich zum klassischen Vertrag sinkt in diesem Fall durch die Wahl des neoklassischen Vertrages die Wahrscheinlichkeit von Erlöseinbußen und es fallen weniger Ex post-Transaktionskosten an
- je schwerer und teurer es wird, alle Kontingenzen der Austauschbeziehungen in neoklassischen Verträgen zu berücksichtigen und je größer die potentiellen Gewinne sind, die die Transaktionspartner aufgrund von Unsicherheit etc. aus opportunistischen Verhalten erzielen können, desto attraktiver wird es, das Gut oder die Leistung organisationsintern zu erstellen (Einsparung von Ex-ante Transaktionskosten, schnelle Erwirkung von Ex-post Anpassungen)
Zitierte Literatur
- Kieser, Alfred (1999): Organisationstheorie. Stuttgart: Kohlhammer
- Preisendörfer, P. (2008): Organisationssoziologie. Grundlagen, Theorien und Problemstellungen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften


