Unternehmer und Unternehmertum

Aus Sozwiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Definition

Ein Unternehmer ist eine Person die Besitz über einen Betrieb, ein Geschäft oder ein Unternehmen hat und die volle Haftung für die inhärenten Risiken und den Erfolg übernimmt. Der Begriff stammt aus dem Französischen und wurde zunächst vom Iren Richard Cantillon definiert. Im Englischen steht der Begriff Entrepreneur für einen Charakter der gewillt ist, eine neue Unternehmung oder Firma zu gründen und dabei die Verantwortung für das komplette Risiko auf sich nimmt.

Zentrale Begriffe

Entrepreneurship:

Wesentlich für das Verständnis des Begriffs Entrepreneurship ist das Erkennen und Wahrnehmen von unternehmerischen Gelegenheiten. Im Kontext von Entrepreneurship beziehen sich Innovation und Neuartigkeit insbesondere auf Produkte oder Prozesse. Unternehmerische Aktivitäten erfolgen zielgerichtet und gewinnorientiert unter Einsatz von knappen Ressourcen. Die unternehmerische Tätigkeit ist für die Unternehmer mit der Übernahme von angemessenen Risiken verbunden. Angemessen bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Unternehmer üblicherweise keine Glücksspieler oder Hasardeure sind, sondern die Risiken sorgfältig abschätzen und abwägen.


Unternehmer:

Der Unternehmer steht für die kreative, leitende Idee, für die Schaffung neuer Produkte und Technologien im weitesten Sinne, die dann in der Unternehmung ausgeführt und realisiert werden. Qualität und Quantität der produzierten Güter und Dienstleistungen hängen wie die Quantität und Qualität der beschäftigten Arbeitskräfte sowohl von den Einfällen, der Innovationskraft und der Problemlösungskapazität des Unternehmers ab. Der Unternehmer ist damit das zentrale und treibende Element der Marktwirtschaft sowie Schöpfer von Unternehmungen und im weitesten Sinne "Erfinder" neuer Produkte, Technologien und Managementtechniken. Durch die Aussicht auf Gewinne wird er angespornt und sucht ständig nach neuen Möglichkeiten, durch neue und bessere Produkte (Produktinnovation) den Haushalten ein höheres Niveau der Bedürfnisbefriedigung und den Unternehmungen Kosteneinsparungen (Prozessinnovation) zu bieten.

Unternehmerische Gelegenheiten:

In marktwirtschaftlich ausgerichteten Volkswirtschaften gibt es vielfältige unternehmerische Chancen bzw. Gelegenheiten, die es zu erkennen gilt. Vorraussetzung hierfür ist eine unternehmerische Wachsamkeit im Hinblick auf das Erkennen von Chancen. Bevor eine unternehmerische Gelegenheit genutzt werden kann, läuft vorher ein Prozess ab.

Gelegenheit --> Erkennen --> Evaluieren --> Nutzen

Gelegenheit: Unternehmerische Gelegenheiten ergeben sich bei einer Annahme wirtschaftlicher Ungleichgewichte. Beispielsweise können Arbitragemöglichkeiten genutzt werden. Darüber hinaus sind Informationen auf dem Markt nicht gleich verteilt. Vielmehr besteht asymmetrische Informationsverteilung. Dies führt bei einigen Akteuren zu einem Vorsprung an Wissen, der ausgenutzt werden kann, um Profite zu erzielen.

Erkennen: Da in einer globalisierten Welt heute kontinuierliche Entwicklungen kaum noch gegeben sind, aber schnelle, dynamische Veränderungen den Unternehmensalltag prägen, besteht eine wichtige Herausforderung für Entrepreneure darin, zukünftige Entwicklungen zu antizipieren. Dabei sind im Hinblick auf die Umwelt Veränderungen, Entwicklungstendenzen und -möglichkeiten frühzeitig zu erkennen. Al mögliche Kategorien der externen Umwelt können die ökologische, technologische, ökonomische, politische, rechtliche, soziale und kulturelle Umwelt definiert werden. Screening kann als aktiver oder passiver Prozess durch den Entrepreneur vollzogen werden. Als aktiver Prozess ist das beabsichtigte, kognitive Wahrnehmen, Selektieren und Bewerten der Umweltstruktur im Sinne von Aktivitäten des Entrepreneurs zu betrachten. Als passiver Prozess kann das unbewusste Wahrnehmen, Selektieren und Bewerten der Umweltstruktur sowie weiter gehender Sinneseindrücke des Lebens charakterisiert werden.

Evaluieren: Bereits im Erkenntnisprozess erfolgt innerhalb des Screening eine erste Selektion und Bewertung potentieller unternehmerischer Gelegenheiten. Über diese erste (Vor-) Selektion und Bewertung kann eine systematische Evaluierung der unternehmerischen Gelegenheit(en) hinsichtlich der Realisierbarkeit, des Aufwandes bzw. des Nutzens erfolgen. Dabei kann die Evaluierung bewusst oder unbewusst vollzogen werden.

Nutzen: Die Nutzung der unternehmerischen Gelegenheit ist das Resultat der vorangegangenen Prozessschritte. Hierbei kann einerseits ein Unternehmen selbst durch die Person(en) gegründet werden, die die Gelegenheit als solche erkannt hat. Andererseits ist auch die Realisierung der unternehmerischen Gelegenheit über den Verkauf, bspw. in Form von Lizenzierung an Dritte möglich.

Zentrale Autoren und Theorien

Richard Cantillon

Zur Entstehung der Disziplin Entrepreneurship wird im Allgemeinen auf theoretische Arbeiten des irischen Volkswirts Richard Cantillon (1680-1734) verwiesen, dessen maßgebliche Werke zwischen 1720 bis zu seinem Tode 1734 entstanden sind. Nach Cantillon ist Entrepreneurship Selbstständigkeit mit einer ungewissen, unsicheren Vergütung bzw. Verzinsung. Am Beispiel des Farmers zeigt Cantillon wie sich diese Unsicherheit für den Unternehmer ergibt. " Der Farmer ist ein Unternehmer der dem Landbesitzer verspricht für seine Farm oder Land eine fixe Geldsumme zu bezahlen ohne Sicherheit über den Ertrag den er aus dem Unternehmen herauszieht zu haben." Der Ertrag ist abhängig von der Nachfrage, aber auch vom Wetter, auf das der Farmer keinerlei Einfluss ausüben kann. Zudem steht der Unternehmer mit anderen Anbietern in Konkurrenz. Dieser Wettbewerb führt im Modell Cantillons dazu, dass sich die Zahl der Unternehmer, die im gleichen Geschäftsbereich tätig sind, selbstständig reguliert.

Joseph Schumpeter

Der Unternehmer ist nach Schumpeter die entscheidende treibende Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung, was er durch das Durchsetzen immer neuer Faktorkombinationen erreicht. Durch diese beständigen- von immer anderen Unternehmen ausgelösten- Innovationen bleibt eine Volkswirtschaft nie in einem statischen Gleichgewicht, sondern entwickelt sich durch die schöpferische Zerstörung der Unternehmer dynamisch weiter. Nach Schumpeter sind Unternehmer dabei aber weder Erfinder noch Risikoträger wie die Kapitalisten genau sowenig wie Vorsteher in einem Unternehmen. Unternehmer sind immer statische Unternehmer, und dieses Prädikat ist eine Erscheinung im Zeitablauf so dass man nicht durch eine innegehaltene Stellung Unternehmer auf Lebenszeit sein kann.

Frank Knight

Frank Knight (1921) gilt als Risikopionier der Ökonomie. Dabei führte er die heute vor allem in der strategischen Unternehmensplanung Unterscheidung von Risiko und Unsicherheit ein. Während man beim Risiko die möglichen zukünftigen Ereignisse und ihre Wahrscheinlichkeiten kennt und rechnerisch erfassen kann, ist das bei Unsicherheit nicht möglich. Deshalb sind Risiken diversifizierbar und überwälzbar, mit Unsicherheit geht das nicht. Knight legt nun dar, dass wahre unternehmerische Tätigkeit darin bestünde sich mit dem Problem der Unsicherheit auseinanderzusetzen und in unsicheren Entscheidungssituationen die Konsequenzen der Entscheidung zu tragen. Damit wird der Unternehmer nicht nur in seiner Hauptfunktion zum Träger der Risikos und übernimmt als Inhaber eines Unternehmens die volle Verantwortung für die komplexen Entscheidungen unter Unsicherheit sondern er zeichnet sich gegenüber den angestellten Managern, die Routineentscheidungen treffen, auch dadurch aus, das er besondere Befähigungen hat, echte Führungsentscheidungen zu treffen


Max Weber

Ausgangspunkt der Überlegungen von Weber bildet die Beobachtung, dass sich der Kapitalismus zunächst in protestantischen Ländern entfaltet hat. Die Neigung der Protestanten zu unternehmerischen Handeln führt Max Weber auf die sektenartige Gemeinschaft zurück, in denen hohe soziale Kontrolle über das Verhalten der Mitglieder ausgeübt wird. Auf diesem Wege leitet Weber idealtypische Lebenseinstellungen des Unternehmers ab, die auch heute noch unsere Vorstellung von ihm prägen: Selbstständigkeit und Leistung sind höchste Werte, " Jeder ist seins Glückes Schmied", "Zeit ist Geld", das Leben besteht aus rastloser Berufsarbeit. Über diese Einstellung wird der irrational anmutende Lebensstil des Unternehmers erklärlich: Das unermüdliche Schaffen, die permanente Jagd nach Geschäften, die immer einem nüchternen rechnerischen Kalkül unterliegt, führt zur sinnlosen Anhäufung von Besitz, an dem sich der Unternehmer nicht erfreuen kann, denn Arbeit ist für ihn Selbstzweck.

Der Prozess der kreativen Zerstörung

Gemäß Schumpeter setzt wirtschaftliche Entwicklung Innovation zwingend voraus. Das bedeutet aber gleichzeitig, das Unternehmen durch Innovationen unter Druck geraten können. Im schlimmsten Fall bedeutet das den Untergang des Unternehmens. Schumpeter hat als ersten den innovativen Unternehmer als denjenigen charakterisiert, der durch seine Neuerungen und sein Streben nach einem Monopol den Gleichgewichtszustand zerstört. Dass diese Entwicklungen nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis existieren, ergab eine Studie von Pricewaterhouse Cooper. Von den Top 100 Unternehmen der Schweiz befanden sich in der Untersuchungsperiode zwischen 1995 und 2005 nur 33% unverändert in der Liste. Das bedeutet nicht, dass der Großteil der anderen 67% untergegangen sind. Sie sind auch weiterhin in der Liste vertreten, jedoch in einer radikal anderen Form. Wirtschaftswachstum bei sonst konstanten äußeren Bedingungen wird durch ökonomisch relevante Erfindungen ausgelöst, d.h. Innovationen, die produktive Revolutionen auslösen. Daher können unterschiedliche Wachstumsraten verschiedener Länder zu großen Teilen der Qualität der unternehmerischen Tätigkeiten abhängig gemacht werden. Wirtschaftliches Wachstum findet nicht aufgrund von Verbesserungen in den Bereichen der Technologie, Produktivität oder Ressourcen statt, sondern weil Entrepreneure

1. Technologien, Organisationen und Prozesse verbessern,

2. innovativer und produktiver werden und

3. andere Unternehmen aus dem Wettbewerb drängen.


Wie sieht der Prozess der Neuschaffung von Werten konkret aus?

1. Herstellung eines neuen, d.h. dem Konsumentenkreise noch nicht vertrauten Gutes oder einer neuen Qualität eines Gutes.

2. Einführung einer neuen, d.h. dem betreffenden Industriezweig noch nicht praktisch bekannten Produktionsmethode, die keineswegs auf einer wissenschaftlich neuen Erfindung zu beruhen braucht und auch in einer neuartigen Weise bestehen kann mit einer Ware kommerziell zu verfahren.

3. Erschließung eines neuen Absatzmarktes, d.h. eines Marktes, auf dem der betreffende Industriezweig des betreffenden Landes bisher noch nicht eingeführt war, mag dieser Markt schon vorher existiert haben oder nicht.

4. Eroberung einer neuen Bezugsquelle von Rohstoffen oder Halbfabrikaten

5. Durchführung einer Neuorganisation, wie Schaffung einer Monopolstellung (z.B. durch Vertrustung) oder Durchbrechen eines Monopols“


Durch diesen Prozess wird das alte Marktgleichgewicht zerstört. Gleichzeit bildet sich jedoch ein neues Marktgleichgewicht. Dieser Innovationsprozess läuft gemäß Schumpeter wie folgt ab:

1. Zunächst besteht das alte Marktgleichgewicht

2. Dann erfolgt der findige Vorstoß eines Unternehmers, der wie oben beschrieben abläuft

3. Jetzt folgen andere Unternehmer indem sie den Vorstoß imitieren

4. Dadurch entsteht ein neues marktliches Gleichgewicht

Wichtig ist dabei, den ganzen Prozess als Kreislauf zu sehen und nicht als etwas "Abgeschlossenes". Denn natürlich wird auch das "neue" Marktgleichgewicht irgendwann zerstört und durch ein anderes ersetzt.

Links

Der perfekte Busines-Plan

Businessplaner

Herausforderung Unternehmertum


Quellen

  • Blum, U.: Entrepreneurship und Unternehmertum: Denkstrukturen für eine neue Zeit, Gabler Verlag, 2008
  • Fueglistaller, U.; Müller, C.; Volery, T.: Entrepreneurship, Gabler Verlag, 2008
  • Hartweg, H.: Die Entwicklung der integrierten Versorgung in Deutschland, LIT Verlag, 2007
  • Nerdinger F.: Perspektiven der Erforschung des Unternehmertums, In: Existenzgründung und Unternehmertum - Von Rosenstiel,L.; Lang- von Wins,T. (Hrsg), Schäffer-Poeschel, 1999
  • Ripsas, S.: Entrepreneurship als ökonomischer Prozess, Gabler, 1997
  • Stocker,F.: Moderne Volkswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2004
  • Volkmann, C.; Tokarski, K.: Entrepreneurship - Gründung und Wachstum von jungen Unternehmen, Lucius + Lucius, 2008
  • Wentz, R.: Die Innovationsmaschine - Wie die weltbesten Unternehmen Innovationen managen, Springer, 2008


Internetquellen:

Persönliche Werkzeuge