Vertrauen

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Vertrauen allgemein

In der Sozialwissenschaft gib es keine einheitliche Definition von Vertrauen, die vielen unterschiedlichen Herangehensweisen an die Thematik „Vertrauen“ weisen allerdings einige Gemeinsamkeiten auf. Im wesentlichen sind das: der Aspekt der Ungewissheit, das Vorhandensein eines Risikos, die mangelnde Beeinflussung des Schicksals (freiwilliger oder erzwungener Kontrollverzicht) und letztlich die Zeitperspektive (Bezug auf etwas zukünftiges). Dabei kann sich das Vertrauen auf alles Mögliche beziehen wie zum Beispiel auf andere Personen (Partner, Freunde), Institutionen (Politik, Gerichte) oder die Nahrungsmittel, die bei einem bestimmten Händler gekauft werden.



Soziologisch Entwicklung des Vertrauenbegriffs über die Zeit

Die Auseinandersetzung mit der Thematik Vertrauen war in der Soziologie immer nur eine Randerscheinung und spielte somit bei den meisten Klassikern der Soziologie keine bedeutende Rolle.

Hobbes

Was eigentlich verwundert, da schon Thomas Hobbes gegenseitiges Misstrauen, neben Konkurrenz und Ruhmsucht, als eine Konflikursache für den im Naturzustand vorherrschenden Krieg jeder gegen jeden betrachtet. Nach Hobbes führt also Misstrauen, bzw. das Fehlen von Vertrauen zu einer wechselseitigen Gefährdung der Menschen in ihrem Streben nach Gewinn, Sicherheit und Ansehen. Diese impliziert die Notwendigkeit des Einzelnen sich ständig über die eigenen und fremden Handlungschancen zu informieren und seine eigenen Handlungschancen durch die Absicherung in soziale Netzwerke zu sichern und zu verbessern. Somit hatte schon Hobbes die Bedeutung von Vertrauen in die unmittelbare soziale Beziehung aufgezeigt, einerseits unter dem Gesichtspunkt der sozialen Komplexität und andererseits unter der Frage einer interaktionsübergreifenden Sicherung von Rahmenbedingungen des Handelns durch eine Institution. Wie sich zeigt wurden damit schon recht früh drei Ebenen des Vertrauen behandelt: die Reduktion von Komplexität (sachlich), Schaffung einer stabilen Rahmenbedingung für Handlungs- und Interaktionsprozesse (sozial) und als zentraler Mechanismus der Kontinuität sozialer Ordnung und die Aufrechterhaltung stabiler sozialer Beziehungen (zeitlich).

Durkheim

Durkheim nimmt bei der Behandlung der Vertrauensthematik direkten Bezug auf Hobbes, indem er die phänomenalen Defizite in Hobbes Ansatz zur Bindungswirkung von Verträgen aus einem nicht-vertraglichen Vorfeld kritisiert. Durkheim betrachtet die vertragliche Regelung sozialer Verhältnisse als eine Institution, deren Autorität die aus einer normativen Legitimation speist, welche sich wiederum vom Kollektivbewusstsein der betreffenden sozialen Gruppe ableitet und somit einen verpflichtenden Charakter hat. Folglich versteht Durkheim Vertrauen nicht als Grundlage moralisch gesättigter Verpflichtungsverhältnisse, sondern als sozialen Beziehungen immanente normative Verpflichtung.

Simmel

Ein in zweierlei Hinsicht bedeutender Beitrag zur Entwicklung des Vertrauenbegriffs geht von Georg Simmel aus, dieser gibt dem Begriff eine entwicklungsgeschichtliche Perspektive und entwickelt eine Differenzierung des Vertrauensbegriffs in drei Formen des Vertrauens. Die drei Formen des Vertrauens sind: 1. Vertrauen als allgemeiner Glaube ist eine Form des abgeschwächten induktiven Wissens, damit sind bestimmte konstante Element im menschlichen Leben, unspezifische Erwartungen oder generelle Hoffnungen gemeint. Beispiel: Wenn ein Bauer davon ausgeht, dass das Feld, das er bestellt in diesem Jahr nicht so viele Erträge einbringt wie im Vorjahr, würde er es nicht bestellen. 2. Vertrauen als Wissensform ordnet Simmel zwischen Wissen und Nicht-Wissen ein. Jemand der über eine perfekte Information verfügt, muss nicht vertrauen; wenn aber jemand keine Informationen hat, so kann er nicht vertrauen. Simmel siedelt den Vertrauensbegriff zwischen Wissen und Nichtwissen an. 3. Vertrauen als Gefühl umfasst den Bereich des Transzedenten. Diese Form des Vertrauens hat nichts mit Wissen zu tun, da sie in einem Bereich angesiedelt ist, der sich nicht ergründen lässt. Die Religion ist hierfür ein klassisches Beispiel, aber auch das Vertrauen in Symbolische Zeichen wie Geld. Simmel nähert sich dem Vertrauensphänomen auch entwicklungsgeschichtlich. Simmel arbeitet anhand der „Logik des Kredits“ den Unterschied von persönlichen und dem generalisierten versachlichten Vertrauen aus. Entwicklungsgeschichtlich ist die Unterscheidung, da Simmel diese in dem Prozess der „Objektivierung der Kultur“ und als ein Kennzeichen der modernen Gesellschaft betrachtet. Das Vertrauen bezieht sich nicht mehr nur auf eine persönliche Kenntnis sondern auf generalisierte Symbole (Geld), durch die Wechselwirkungen und Handlungen bestimmt werden.

Schütz

Einen wichtigen Betrag zur Bedeutung des Vertrauens in der Soziologie leistet Alfred Schütz. Er arbeitet das konstitutive Element des Vertrauens als zentrale Graduierungsmöglichkeit von Wissen heraus und die Bedeutung von Vertrauen für die Konstruktion der Lebenswelt. Der phänomenologische Ansatz der Lebenswelt geht davon aus, dass ein Individuum einen Teil seiner sozialen Realität nicht hinterfragt und diesen als selbstverständlich und vertraut betrachtet. Ein zentraler Begriff für die Annahme der Lebenswelt ist das Wissen, das einer graduellen Abstufung unterliegt. Schütz unterscheidet hierbei zwischen Bekanntheits- und Vertrautheitswissen. Bekanntheitswissen bezieht sich auf das „Wissen-dass“, es sich von seiner Art her eher eine oberflächliche Kenntnis. Vertrautheitswissen bezieht sich auf das „Wissen-wie“ und stellt nach Schütz ein tiefer gehendes Wissen dar.

Garfinkel

Harold Garfinkel entwickelt Schütz's Ansatz weiter, indem er seine Aufmerksamkeit mehr auf den Teil des Vertrautheitswissens legt. Er arbeitet die Bedeutung des Vertrautheitsphänomens für die Produktion und Reproduktion des in der Alltagswelt Verständlichen in Form von gemeinsam geteilter Orientierungsmodi und Situationserwartungen heraus, welche wiederum die soziale Interaktion bestimmen. Somit versteht Garfinkel unter Vertrauen: „To say that one person trust another means that the person seeks to act in such a fashion as to produce through his action or to respect as conditions of play actual events that accord with normative orders of events depicted in the basic rules of play“ (Garfinkel 1963; vgl. Endreß).

Blau

Peter M. Blau arbeitete die Bedeutung des Vertrautheitsphänomens für den Tausch heraus. Dabei teilte er die Tauschbeziehungen in eine ökonomische und eine soziale Variante. Für die Ökonomische spielt seiner Meinung nach das Vertrauen eine vernachlässigbare Rolle. Bei dem sozialen Tausch ohne kalkulierten Vorteilsaustausch, mit nichtspezifizierter Verpflichtung, beruht die Erfüllung dieser auf Vertrauen. Somit beruht sozialer Austausch auf Vertrauen und fördert dieses zugleich.



Vertrauen in den Unterschiedlichen Paradigmen

Systemtheoretischer Ansatz

Bei der Behandlung des Vertrauensphänomens aus systemtheoretischer Sichtweise spielt Luhmann eine bedeutende Rolle. Zum einen weil er einer der bedeutendsten Systemtheoretiker ist, und zum anderen weil Luhmann sich intensiv mit dem Vertrauensphänomen in systematischer und entwicklungsgeschichtlicher Hinsicht befasst hat. Systematisch betrachtet geht Luhmann davon aus, dass Vertrauen „eine Lösung für spezifische Risikoprobleme“ ist; hier zeigt sich der Gedanke der doppelten Kontingenz und der Komplexitätsreduktion. „Wo es Vertrauen gibt, gibt es mehr Möglichkeiten des Erlebens und Handeln, steigt die Komplexität des sozialen Systems, also die Möglichkeiten, die es mit seiner Struktur vereinbaren kann, weil im Vertrauen eine wirksame Form der Reduktion von Komplexität zur Verfügung steht“ (Luhmann 1989; vgl. Endreß). Die Stabilisierung von Erwartungen ist somit das zentrale Element des Vertrauens und dies nicht nur auf Personen bezogen, sondern zugleich auch auf symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien. Luhmann übernimmt die zwei bereits von Simmel ausgeführten Elemente des Vertrauensphänomens: 1. die Funktion der Komplexitätsreduktion und 2. Vertrauen als Mechanismus zur Überbrückung von Wissens- und Informationsgrenzen. Aus entwicklungsgeschichtlicher Perspektive differenzierte sich das Vertrauen in ein persönliches Vertrauen und ein Systemvertrauen. Das persönliche Vertrauen ordnet Luhmann den primär stratifizierten Gesellschaftsformen zu. In den modernen funktional differenzierten Gesellschaften dominiert das Systemvertrauen. Auch dieser Gedankengang ist nicht neu, sondern findet sich schon bei Simmel's Übergang von dem persönlichen zu einem versachlichten Vertrauen wieder.


Rational-Choice-Ansatz

Innerhalb des Rational-Choice-Paradigmas beschäftigt sich Coleman mit dem Vertrauensphänomen. Colemans Ausgangspunkt ist ein rationaler Akteur in einem sozialen Austauschmodell, indem Ressourcen in Form von Verfügungsrechten und Veräußerungsrechte ausgetauscht werden. Dies kann in einfacher Form zwischen zwei Akteuren (Vertrauensbeziehung) oder in komplexer Form zwischen vielen Akteuren (Vertrauenssystem) passieren. Dabei werden dann Kontrollrechte in riskanten oder orientierungsoffenen Situationen übertragen. Coleman unterscheidet drei Austauschsituationen: 1. Der Vertrauensgeber verbessert seine Situation, wenn der Vertrauensempfänger vertrauenswürdig ist. Ist der Vertrauensempfänger nicht vertrauenswürdig, dann verschlechtert der Vertrauensgeber seine Situation. 2. Die Übertragung von Ressourcen erfolgt, ohne das der Ressourcenempfänger eine einklagbare, einforderbare oder durchsetzbare Verpflichtung eingeht. 3. Die Einschätzung des Risikos der Vertrauensvergabe (Wetteinsatz) enthält eine Einschätzung der Zeitverzögerung bis sich der Einsatz potenziell auszahlt. Die Entscheidung, ob vertraut wird oder nicht, ist abhängig von dem Kenntnisstand des Vertrauensgebers bezüglich der Gewinn- und Verlustchancen und der Vertrauenswürdigkeit des Vertrauensempfängers. Die zentrale These Colemans ist, dass rationale Akteure nur in rationaler Weise Vertrauen vergeben, wenn das Verhältnis der Wahrscheinlichkeit, dass der Vertrauensempfänger das Vertrauen rechtfertigt, zu der Wahrscheinlichkeit, dass er es nicht tut, größer ist als das Verhältnis des möglichen Verlustes zum möglichen Gewinn. In einer Formel ausgedrückt sieht das so aus:

p*G(x) - (1-p)*L(y) > 0 oder umgeformt p > L(y) / [(y) + G(x)]

p = Wahrscheinlichkeit (oft aufgrund der subjektiven Beurteilung von A), dass B die Handlung x ausführt bzw. auswählt; x = Handlung, die B ausführen soll; y = nicht x, d. h. Handlung, die B ausführt und damit das Vertrauenmissbraucht; G(x) = Bezahlung/Gewinn für/durch die Handlung x; L(y) = Verlust, der durch die Handlung y zustande kommt.


Strukturalistischer Ansatz

Anthony Giddens meint, dass Vertrauen im Zentrum einer Theorie der Moderne stehen sollte. Für Giddens ist die Entbettung, das Herausheben von sozialer Beziehungen aus ortsgebundener Interaktionszusammenhängen und ihre Rekonstruktion durch unbestimmte Raum-Zeit-Spannen, das Konstitutive einer modernen Gesellschaft. In dem Prozess der Entbettung bilden Vertrauen das Scharnier zwischen den sozialen Beziehungen und den sich ausdehnenden Raum-Zeit-Spannen. Auf den Punkt gebracht heißt das für Giddens: „Das Wesen moderner Institutionen ist zutiefst mit dem Mechanismus des Vertrauens in abstrakte Systeme verbunden, vor allem mit Vertrauen in Expertensysteme“ (Giddens 1995; vgl. Endreß), dabei beruht das Vertrauen auf dem Glauben an die Richtigkeit von Grundsätzen, die man selbst nicht kennt. Giddens relativiert den Unterschied zwischen dem Vertrauen in Personen und dem Vertrauen in Systeme. Vertrauen bezieht sich immer auf Personen, allerdings nicht zwingend auf die Persönlichkeit des Vertrauensnehmers bezogen sondern auf die Funktion oder das was dieser repräsentiert. Vertrauen speist sich aus Vertrautheit; aus der Erfahrung mit der generellen Funktion eines Systems. Das Vertrauen aus Erfahrung ist somit partiell wissensbasiert.


Makrosoziologische Theorie des sozialen Wandels

Piotr Sztompkas Ansatz behandelt Vertrauen und Vertrauenskulturen unter seiner politiktheoretisch-soziologischen Perspektive. Ausgangspunkt seiner Untersuchung ist ein Transformationsprozess in den Mitteleuropäischen Ländern, für welchen Vertrauen als eine kulturelle Ressource in Form von Handlungspotential für das eigendynamische Potential einer Gesellschaft unerlässlich ist. Sztompkas unterscheidet mehrere Formen des Vertrauens: 1. Allgemeines Vertrauen meint die Vorstellung, dass alles ein der Gesamtgesellschaft sich zum guten, korrekten und richtigen fügt und zuverlässig funktioniert. 2. Technologisches Vertrauen bezieht sich auf die Güte von Experten produzierten Wissens, unter der Voraussetzung dieses als Nicht-Experte nicht verstehen zu können. 3. Kommerzielles Vertrauen bezieht sich auf die herausragende Qualität von Waren und produzierten Gütern. 4. Institutionsvertrauen bezieht sich auf das Vertrauen auf die Zuverlässigkeit von abstrakten Bereiche der Gesellschaft, wie Recht, Regierung und Bereichen der öffentlichen Hand. 5. Positionsvertrauen meint das Vertrauen in Personen, die spezielle gesellschaftliche Positionen bekleiden, wie z.B. Richter und Politiker. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um ein Vertrauen in die Person, sondern in die Position und was damit verbunden ist.


Sozialpsychologischer Ansatz

Wie schon in der Soziologie mangelt es auch bei einer sozialpsychologischen Herangehensweise an einem einheitlichen Verständnis von Vertrauen. Es mangelt an einer überzeugenden Vertrauenstheorie, obwohl die Bedeutung von Vertrauen für das Zustandekommen und Funktionieren von zwischenmenschlichen Interaktionen von vielen Autoren immer wieder betont wird. Vertrauenswürdigkeit ist eine der höchst angesehenen menschlichen Charakterzüge. Die Ansätze beziehen sich dann auf unterschiedliche Vertrauensaspekte wie risikoreiche Entscheidung, Attributionsphänomene, Persönlichkeitsdispositionen oder lediglich als wesentliche Komponente zwischenmenschlicher Beziehungen. So verwundert es nicht, dass es keine einheitliche Definition von Vertrauen gibt. Es gibt Autoren, die behaupten, dass Vertrauen ein zu komplexer Gegenstand ist und somit eine adäquate Definition nicht möglich ist. Dennoch lassen sich drei Gemeinsamkeiten bei den unterschiedlichen Definitionen finden: 1. Eine Vertrauensperson wird positiv bewertet und eine Person des Mißtrauens wird negativ bewertet. 2. Die positive Bewertung ist mit der Erwartung verknüpft, dass sich die Vertrauensperson wohlwollend verhalten wird; 3. Die vertrauensrelevante Situation beinhaltet das Risiko, dass die Person, der vertraut wird, Handlungsalternativen haben muss, mit denen sie der vertrauensgebenden Person schaden kann. Der Vertrauende steht auch zu einem gewissen Grad unter der Kontrolle des Interaktionspartners. Der Frage wie Vertrauen entsteht, kann man sich aus vier Richtungen annähern: Vertrauen als Entscheidung, als Persönlichkeitsdisposition, als positive Eigenschaft und als Charakteristikum enger sozialer Beziehung. 1. Das Entstehen von Vertrauen aus einer Entscheidung heraus impliziert ein Erwartungs-mal-Wert-Prinzip. Der Entscheidende wägt die Risiken und den möglichen Nutzen ab. Ist die subjektive Erwartung einer positiven Konsequenz größer als die subjektive Erwartung einer negativen Konsequenz, so schenkt man Vertrauen in die Zuversicht auf ein positives Ergebnis. Unter welchen Bedingungen dies geschieht, hängt davon ab, welche Bedingungen subjektiv als erfolgversprechend wahrgenommen werden. Das kann Erfahrung sein. Denn aus positiver Erfahrung entsteht Vertrauen. Dies kann aber auch die Anwesenheit Dritter sein. Entdecken zwei Personen, dass sie eine gleiche Einstellung zu einer dritten Person haben, so fördert es das Vertrauen dieser beiden Personen zueinander. 2. Vertrauen als Persönlichkeitsdisposition hat positive Konsequenzen für die Gesellschaft und das Individuum. Für die Gesellschaft bestehen die positiven Konsequenzen darin, dass vertrauensvolle Personen weniger lügen, betrügen, stehlen und bereit sind, anderen eine zweite Chance zu geben. Für den Einzelnen sind die Konsequenzen, dass vertrauensvolle Personen glücklicher, angepasster und weniger konfliktbeladen sind; auf andere wirken sie glücklicher, moralischer, sexuell attraktiver und werden von Anderen eher als Freunde bevorzugt. 3. Vertrauen in Partnerbeziehungen entwickelt sich nach Rempel, Holmes und Zanna (1985) in drei Stufen, die hierarchisch gegliedert sind. Die erste Stufe ist die Vorhersagbarkeit. Hier bezieht sich das Vertrauen auf spezifische Verhaltensweisen, und wie sich diese durch Erfahrung vorhersagen lassen. Wichtig ist die Konsistenz und Stabilität des Verhaltens vom Partner. Die zweite Stufe ist die Zuverlässigkeit. Der Blickwinkel wird von den Verhaltensweisen des Partners zur Person des Partners gerichtet. Dem Partner als Person werden positive Eigenschaften zugeschrieben, wie z.B. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Die dritte und letzte Stufe ist Treue und die höchste Form des Vertrauens. Für das Individuum gibt die Beziehung eine emotionale Sicherheit. Das Individuum kann mit dem Partner in völlig neuartige Interaktionen treten, in der Zuversicht, dass der Partner in wohlwollender Weise handeln wird. Dabei können die Partnerbeziehungen von drei Motivationen gestimmt werden: extrinsisch, instrumentell und intrinsisch. Ein Beziehung ist extrinsisch motiviert, wenn die Ziele bzw. positiven Konsequenzen außerhalb der Beziehung liegen (Geld, Ansehen, Status). Instrumentell ist eine Beziehung motiviert wenn die positiven Konsequenzen nur innerhalb einer Beziehung zu erreichen sind (Liebe), und intrinsisch ist die Motivation wenn die Beziehung einem Selbstzweck dient. Sie ist auch die Basis für Treue und romantische Liebe.



Prinzipal Agent Ansatz

Der Prinzipal-Agent-Ansatz stammt aus der neuen Institutionsökonomik und geht von einer in der Wirtschaft üblichen Arbeitsteilung aus. Der Prinzipal-Agent-Ansatz geht von opportunistischen Akteuren aus, die immer bestrebt sind, ihren persönlichen Nutzen zu steigern. Der Prinzipal als Auftraggeber hofft, dass der Agent als Auftragnehmer seinen Auftrag in seinem Sinne erfüllt. Der Agent handelt demnach im Auftrag des Prinzipals, aber dies in eigenverantwortlicher Weise. Die Beziehung zwischen den beiden ist vertraglich geregelt, aber auch asymmetrisch. Dies zum einen, da der Prinzipal in der Hierarchie über dem Agent steht und zum anderen, da es eine asymmetrische Informationsverteilung gibt; der Agent hat dem Prinzipal gegenüber immer einen Wissensvorsprung, über das was er wirklich tut, aber ein Informationsdefizit was die wahren Interessen des Prinzipals betrifft. Es sind vier Informationsverzerrungen möglich: 1. der Agent verschweigt dem Prinzipal bei Vertragsabschluss Mängel oder Risiken, die der Prinzipal selbst nicht erkennen kann. 2. Der Agent nutzt während des Leistungsprozesses schwer kalkulierbare Handlungsspielräume um den Prinzipal zu täuschen. 3. Der Agent verfügt über relevante Informationen über Leistungszusammenhänge, die er dem Prinzipal verschweigt und den Informationsvorsprung stattdessen ausnutzt, um den Prinzipal zu täuschen. 4. Der Agent verfolgt versteckte Ziele, die den Auftragszielen des Prinzipal abweichen. Um den Informationsdefizite zu überbrücken und so gering wie möglich zuhalten gibt es einen Institutionellen Rahmen, in dem sich die Prinzipal-Agent-Beziehung abspielt und der gegebenfalls sanktioniert. Aber ein Restrisiko bleibt immer und dieses kann nur mit Vertrauen kompensiert werden. Auch wenn manche Autoren die Vertrauenskomponente im Prinzipal-Agent-Ansatz als konstruierte, emotionale und nicht-kalkulierbare Variable kritisieren.


Quellenverzeichnis

  • Endreß, Martin (2002): Vertrauen; Verlag: Transcript
  • Luhmann, Niklas: Vertrautheit, Zuversicht, Vertrauen: Probleme und Alternativen; in: Martin Hartmann, Claus Offe (Hg.)(2001):Vertrauen: Die Grundlage des sozialen Zusammenhalts; Campus Verlag
  • Mikl-Horke: Soziologie, 5.Auflage; Verlag: Oldenbourg
  • Schaal, Gary S. (2003): Vertrauen, Verfassung und Demokratie; VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Laske, Michael u. Neunteufel Herbert; Vertrauen eine „Conditio sine qua non“ für Kooperationen? [1]
  • Schäfer, Mike Steffen (2004): Rezesion zu Martin Endreß (2002) Vertrauen [2]